LOADING

Type to search

Hamburg Städte

200.000 Hamburger müssen mit Mieterhöhungen rechnen

Wohnungsmarkt24 7. März 2018
Share

Im Dezember 2017 wurde der neue Mietenspiegel für Hamburg veröffentlicht. Demzufolge müssen jetzt 200.000 Haushalte mit einer Mieterhöhung rechnen. Zudem bedienen sich viele Eigentümer nach dem Verkauf einer Wohnung übler Tricks, wie ein aktuelles Beispiel aus Hamburg Eppendorf zeigt.

Drastische Mieterhöhung zwei Tage vor Weihnachten

Zwei Tage vor Weihnachten erhielt ein Mieter aus Hamburg-Eppendorf ein Schreiben von seinem Vermieter, das eine böse Überraschung offenbarte: Er wurde von der Hausverwaltung darüber informiert, dass seine Miete von 330 Euro auf etwa 410 Euro angehoben werde. Als Grund wurde der aktualisierte Mietenspiegel angegeben. Dies war für den Mieter seit dem Eigentümerwechsel vor gut einem Jahr aber nicht die erste Mieterhöhung. Er bekam sogar schon eine Umzugsprämie angeboten, falls er sich dafür entscheiden sollte, auszuziehen. Mit der neuen Mieterhöhung ist das Maß für den Mieter aus Eppendorf jetzt endgültig voll.



200.000 Hamburger Mietern drohen Mietpreiserhöhungen

Dabei dürfte er längst nicht der Einzige sein, der in den vergangenen drei Monaten eine Information über eine Mietpreiserhöhung erhalten hat, wie der Mieterverein Hamburg schätzt. Im Dezember 2017 erfolgte nämlich die Veröffentlichung des neuen Mietenspiegels für Hamburg. Er erlaubt es den Vermietern, die Mietpreise für Wohnungen, die bisher noch unter dem Durchschnitt des Mietenspiegels lagen, um bis zu 15 Prozent zu erhöhen – ohne Angabe weiterer Gründe. Auf diese Weise sei es Hamburger Eigentümern nach Angaben des Mietervereins Hamburg möglich, bei etwa einem Drittel aller Mietwohnungen in Hamburg die Mieten zu erhöhen.

Viele Vermieter erhöhen die Mieten mehr, als erlaubt ist

Einige Vermieter halten sich nicht an das gesetzliche Maximum. Davon bekommen die Mieter meist nichts mit, weil sie den Prozentsatz nicht überprüfen. Die Vermieter rechnen damit, dass sich die einzelnen Mieter nicht gegen die zu starke Mietpreiserhöhung wehren, obwohl sie sich dagegen zur Wehr setzen könnten. Im Beispiel des Mieters aus Eppendorf beträgt die Mieterhöhung durch die Hausverwaltung sogar 50 Prozent. Das sind fünf Prozent mehr, als gesetzlich erlaubt sind. Auch damit ist er nicht allein: In wenigstens zwei anderen Fällen haben die Nachbarn ein identisches Schreiben erhalten, in dem eine Mieterhöhung angekündigt wurde, welche die erlaubten 15 Prozent übersteigt. Dabei gibt es den Mietenspiegel, der alle zwei Jahre neu von der Stadtentwicklungsbehörde ermittelt wird, schließlich nicht umsonst.



In Hamburg gibt es „normale“ und „gute“ Wohnlagen

In den letzten zwei Jahren ist die Miete in Hamburg im Durchschnitt um 5,2 Prozent verglichen mit dem letzten Mietenspiegel gestiegen. Dabei werden Wohnlagen unterschiedlich bewertet. Es gibt:

  • normale Wohnlagen
  • gute Wohnlagen

Im letzten Jahr wurden sechs Prozent der Hamburger Wohnlagen dabei von „normal“ auf „gut“ hochgestuft. Auch das wird teuer für die Mieter, weil sie automatisch in die höhere Preiskategorie eingeordnet werden.

mietspiegel hamburg

Im Jahr 2017 wurden 6 Prozent der Hamburger Wohnlagen von „normal“ auf „gut“ hochgestuft

Nach dem Verkauf einer Wohnung bedient sich der neue Vermieter übler Tricks

Die Beispielwohnung aus Hamburg-Eppendorf gehört laut Mietenspiegel zur Wohnlage „normal“. Als der Mieter vor 15 Jahren einzog, war sie recht preiswert, da sie mit 50 Quadratmetern auch nicht besonders groß ist. Der einstige Eigentümer war ein Hamburger Kaufmann, der die Miete nie erhöht habe. Allerdings wurde die Wohnung 2017 verkauft. Seit diesem Zeitpunkt agiert eine Hausverwaltung als Vermieter, die jede Chance nutzt, um die Mieten zu erhöhen. Ein Kontakt sei laut Angaben des Mieters nur noch per Brief möglich. Nach der unzulässigen Mieterhöhung bekam der Mieter aus Hamburg-Eppendorf noch einmal Post. Die Hausverwaltung kündigte an, dass das Haus modernisiert werde. Es stehe unter anderem die Dämmung der Fassade an. Die Miete werde in diesem Zusammenhang auf etwa 600 Euro erhöht. Das ist beinahe das Doppelte zu dem, was der Mieter im Moment zahlen muss. Außerdem bot die Hausverwaltung ihm und anderen Mietern eine Umzugsprämie von jeweils 7500 Euro an, sofern sie aus ihrer Mietwohnung ausziehen würden. Bisher weiß der Mieter aus Eppendorf noch nicht, für welchen Eigentümer die Hausverwaltung handelt. Obwohl er die Mieterhöhung wegen der niedrigen Grundmiete und der kleinen Wohnungsgröße noch tragen könnte, hat er nun einen Rechtsanwalt zurate gezogen und möchte sich gegen die überzogene Mieterhöhung der Hausverwaltung wehren.



Zusammenfassung

Der neue Mietenspiegel für Hamburg erlaubt es Vermietern, die Mietpreise, die bisher noch unter dem Durchschnitt des Mietenspiegels lagen, um bis zu 15 Prozent anzuheben. Dem Mieterverein Hamburg zufolge können die Mieten daher für etwa ein Drittel aller Mietwohnungen in Hamburg erhöht werden, sodass ungefähr 200.000 Haushalte betroffen sind.

Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch Mikhail Markovskiy
Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch Massimiliano Pieraccini