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Wohnungsmarkt in Berlin: Platz für 36.000 Wohnungen auf den Dächern von Supermärkten

Wohnungsmarkt24 6. März 2018
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…doch der Senat scheint an einer Unterstützung der Pläne nicht ausreichend Interesse zu haben! In Berlin planen Discounter, Supermärkte und Lebensmittelketten, ihre Grundstücke sinnvoller zu nutzen und dort Wohnungen zu bauen. Gerade Aldi erlangte in den letzten Wochen durch dieses Vorhaben die Aufmerksamkeit der Medien.

An mindestens 30 Standorten in der deutschen Hauptstadt sollen auf den Grundstücken der Aldi-Nord-Märkte ungefähr 2000 Wohnungen gebaut werden. Das teilte das Unternehmen kürzlich mit. Laut der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gibt es sogar ein Potential für 330 Standorte in Berlin, sodass zwischen 14.000 und 36.000 Wohnungen gebaut werden könnten. Diese Auskunft erteilte die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf eine Anfrage vom FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja.



Welche Voraussetzungen Supermarkt-Grundstücke für den Wohnungsbau erfüllen müssen, ist noch unklar

Dieses Potential habe ein Gutachter ermittelt. Eine noch genauere Angabe der möglichen Wohnungen sei nicht sinnvoll, denn je nach Lage können in den Obergeschossen auch Arztpraxen oder Büros gebaut werden. Die Senatsbaudirektorin erklärte, dass die Entscheidung über die Art der Nutzung den jeweiligen Bezirken unterliege. Des Weiteren ist noch unklar, welche Kriterien erfüllt werden müssen, damit der Bau von Wohnungen überhaupt genehmigt wird. Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es laut Lüscher nicht. Stattdessen hänge sie vom Standort, der Umgebung und dem geplanten Bauprojekt ab. Grundsätzlich nicht zulässig sei der Wohnungsbau in reinen Industrie- und Gewerbegebieten. Trotzdem werde die Bedeutung des Mietwohnungsbaus durch Supermärkte und Filialunternehmen vom Senat „als nicht gering“ eingeschätzt. Aus diesem Grund erstellte die Stadtentwicklungsverwaltung bereits im Jahr 2016 eine Internetbroschüre zu dem Thema und führte im Sommer 2017 einen Supermarktgipfel durch.

Viele Geschäfte in Berlin wären für die Bebauung mit Wohnungen geeignet

In der Broschüre erläutert die Senatsbaudirektorin sehr allgemein, dass die Stadtentwicklung das Ziel verfolge, neuen Mietwohnungen in Berlin durch eine clevere Mehrfachnutzung und eine gut durchdachte Mischung zu schaffen. Zudem soll auf diese Weise sichergestellt werden, dass die zunehmende Bevölkerung im direkten Wohnumfeld mit allen wichtigen Dingen des alltäglichen Bedarfs versorgt werden könne. Laut Lüscher gebe es in Berlin über 1100 Geschäfte, von denen etwa ein Drittel in stadtplanerischer Hinsicht für eine mehrgeschossige Bebauung und die Schaffung von neuem Wohnraum in Frage kommen. Dazu gehören:

  • Supermärkte
  • SB-Warenhäuser
  • Lebensmitteldiscounter
  • Bio-Supermärkte

Allerdings weckt die Broschüre nur wenig Hoffnung auf eine unbürokratische und schnelle Hilfe für Supermarkteigentümer, die bereit wären, neue Wohnungen auf ihren Grundstücken zu bauen. So wurde dort zum Beispiel geschrieben, dass zunächst eine Überarbeitung der Ausführungsvorschrift Einzelhandel erforderlich sei. Diese ist aber erst im nächsten Jahr geplant. Außerdem müsse jede Ansiedlung im Einzelfall geprüft und von den Bezirken genehmigt werden. Nils Busch-Petersen, Chef vom Handelsverband Berlin-Brandenburg, zeigt sich über diese Vorgehensweise nicht erfreut. Er wünscht sich ein „einheitliches und transparentes Verfahren bei der Genehmigung in den Bezirken“.



FDP bemängelt die zurückhaltende Unterstützung des Senats

Der FDP-Politiker Sebastian Czaja stellte Lüscher die Frage, welche Supermarkt-Flachbauten in Berlin sich für den Bau zusätzlicher Wohnungen eignen würden. Darauf erhielt er die Antwort, dass diese Entscheidung bei den Grundstückseigentümern liege. Der wechselseitige Austausch, der bereits beim Supermarktgipfel stattgefunden habe, solle aber fortgesetzt werden. Der Senat gab an, den Wohnungsbau auf Supermärkten bei Bedarf durch Bauleitplanung, Moderation und Bauberatung zu unterstützen. Die Antwort des Senats wurde von Czaja jedoch kritisiert. Er ärgerte sich über das scheinbar fehlende Interesse des Senats und die Tatsache, dass er Chance nicht ergreife, der Wohnungsmisere in Berlin entgegenzuwirken. Er wünschte sich, dass die Senatsbaudirektorin gemeinsam mit den Einzelhändlern daran arbeiten würde, den Wohnungsbau voranzutreiben. Nur durch eine Zusammenarbeit von privater und öffentlicher Hand sei es möglich, nachhaltig preiswerte Wohnungen zu bauen.



Aldi Nord hat schon zwei konkrete Bauvorhaben in Berlin

Unterdessen hat Aldi Nord bereits zwei konkrete Bauvorhaben geplant: Zum einen in der Sewanstraße in Lichtenberg und zum anderen an der Silbersteinstraße in Neukölln. Für ersteres gibt es sogar schon eine Baugenehmigung. Auf diese Weise will Aldi Nord jeweils 50 bis 70 neue Wohnungen bauen – je nachdem, wie groß die einzelnen Wohnungen werden. Das Unternehmen teilte außerdem mit, dass sich 15 andere Standorte schon in der detaillierten Planungsphase befinden.

Zusammenfassung

Auf zahlreichen Supermärkten in Berlin könnten neue Wohnungen gebaut werden – Schätzungen zufolge insgesamt bis zu 36.000 Wohnungen. Allerdings scheint der Senat bisher kein ausreichendes Interesse an der Unterstützung dieser Pläne zu haben.

Fotoquelle: www.fotolia.de - Urheber: Maurice Tricatelle