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Alles rund um die Finanzierung von Großprojekten

Wohnungsmarkt24 29. Dezember 2021
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Bei der Aufstellung der Mittel für Großprojekte wird meist ein anderes Finanzierungskonzept bedient als bei der klassischen Unternehmensfinanzierung. Projekte gelten als zeitlich, wirtschaftlich und zumeist auch rechtlich abgrenzbare Wirtschaftseinheiten, die sich grundsätzlich selbst refinanzieren. Die Mittelaufbringung kann somit fast als so etwas wie ein Gegenentwurf zur herkömmlichen Unternehmensfinanzierung verstanden werden.

Hauptcharakteristika und wesentliche Merkmale

Für die Bereitstellung der Finanzierungsmittel ist in der Projektfinanzierung die antizipierte Projektwirtschaftlichkeit ausschlaggebend. Anders als in klassischen Finanzierungsformen kommt somit der Bonität des Bestellers keine große Bedeutung zu. Die Charakteristika der Projektfinanzierung sind andere als bei gängigen Kreditfinanzierungen.

Eine typische Projektfinanzierung weist die folgenden zwei Hauptmerkmale auf:

  • Die Kreditvergabe erfolgt Cash-flow-orientiert
  • Es wird eine explizite Risikoteilung vereinbart

Kreditvergabe auf Cash-flow-Basis

Das Liquidationserlöspotenzial ist bei projektfinanzierten Vorhaben sehr niedrig. Aus diesem Grund können die Projektaktiva nicht als Rückzahlungssicherheit dienen. Fremdkapitalgebern dient daher der zu erwartende Cash-Flow als Grundlage der Kreditvergabeentscheidung. Anders als bei traditionellen Finanzierungsverfahren wie dem Asset-based-financing oder dem Balance-sheet-related-lending kommt den bilanzierten Vermögenssummen des Projektbetreibers kaum Bedeutung zu. Mit dem Cash-flow als Entscheidungsgrundlage gehen Kreditgeber jedoch auch ein gewisses Risiko ein: Bei der Projektfinanzierung bleibt somit immer ein Restrisiko in der Form des Fertigstellungsrisikos. Denn nur fertiggestellte Projekte, die ihrer Bestimmung gemäß abgeschlossen wurden, können einen positiven Cash-Flow erzeugen.

Das Prinzip der expliziten Risikoteilung

Bei Projektfinanzierungen kommt üblicherweise das Prinzip der Risikoteilung zur Anwendung. Die Projektrisiken werden zwischen den verschiedenen Projektbeteiligten aufgeteilt. Wird das Effizienz-Prinzip der Risikoallokation angewandt, so heißt das, dass die einzelnen Risiken, die mit dem Projekt in Verbindung stehen, möglichst jenen Beteiligten übertragen werden, die die ausgeprägteste Kompetenz zur Handhabung des jeweiligen Einzelrisikos haben. In der Praxis bedeutet dies meist, dass dem jeweiligen Erbringer einer konkreten Leistung alle Risiken im Zusammenhang mit dieser Leistungserbringung überantwortet werden. Verbleiben weitere Refinanzierungsrisiken so werden diese den Eigen- und Fremdkapitalgebern gemäß deren Rollen in den jeweiligen Projektphasen zugewiesen. Angesichts großer individueller Unterschiede in Bezug auf projektspezifische Risikosituationen kann die Cash-Flow-bezogene Kreditvergabe zusätzlich abgesichert werden. Man spricht dabei von zusätzlichen Rückgriffsrechten (Recourse), die die Kreditgeber gegenüber den Projektbetreibern und -auftraggebern geltend machen können. Die Abstufungen heißen Non-recourse, Limited-recourse und Full-recourse. Üblicherweise kommt das Limited-recourse-financing zur Anwendung. Dabei haftet das Mutterunternehmen über die Gesellschaftereinlagen hinaus, jedoch nur zeitlich, betragsmäßig oder auf den Eintritt einer bestimmten Situation beschränkt. Als Resultat der expliziten Risikoallokation lassen sich die Eigenkapital-Quoten auf ein absolutes Minimum senken. Das große Ziel der Risikoteilung besteht in der Schaffung einer Finanzierungsstruktur, die es den Beteiligten erlaubt, im Falle von projektspezifischen Risiken das Gesamtprojekt fortführen zu können.

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Die Möglichkeit einer bilanzexternen Finanzierung

Bei Projektfinanzierungen ist auch eine bilanzexterne Finanzierung – im Englischen Off-balance-sheet financing – eine mögliche und oftmals sogar sehr attraktive Option. Vermögensgegenstände und Schulden werden bei dieser Finanzierungsform üblicherweise in eigens aus diesen Gründen ins Leben gerufenen Zweckgesellschaften ausgelagert. Diese Projektgesellschaften haben für die Beteiligten den Vorteil, dass nur der jeweilige Anteil am Eigenkapital der Projektgesellschaft in der Bilanz zu erfassen ist. Bei der bilanzexternen Finanzierung handelt es sich allerdings nicht um ein typisches Charakteristikum der Projektfinanzierung, sondern um eine Form einer möglichen Differenzierung.

Eine besondere Rolle spielt die Projektfinanzierung insbesondere bei Unternehmen, die eine nationale oder internationale Expansionsstrategie umsetzen und gleichzeitig das Prinzip der Risikominimierung anwenden wollen. In der Praxis wird sie auch bei gemeinsamen Projektideen mehrerer Unternehmen im Zuge eines Joint Venture eingesetzt. Als Faustregel gilt, dass ein Finanzierungsbedarf von mindestens 10 Mio. Euro gegeben sein soll.

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