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Immobilienmarkt News

Studenten kommen mit Bafög nicht einmal für die Miete aus

Redaktion 11. April 2020
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Die staatliche Leistung „Bafög“ war ursprünglich von der Bundesregierung dazu gedacht, endlich mehr Chancengleichheit für Studenten aus einkommensschwachen Familien zu erbringen. Grund war die soziale Misere, dass prozentual wesentlich mehr Akademikerkinder studierten als Arbeiterkinder, und dass Talente aus Familien mit weniger Einkommen durchweg weniger gefördert wurden. Durch die monatlichen Fördergelder sollten nämlich gerade diese Empfängerschichten gezielt gefördert und in ihrem Lebensunterhalt unterstützt werden, so dass sie sich ganz auf ihr Studium und ihre Weiterbildung konzentrieren können.

Solcherart, das war die politische Vision, sollte die Schere zwischen armen und reichen Studenten geschlossen werden. Allerdings geht die Bafög-Rechnung heute nicht mehr auf. Schuld sind unter anderem die drastisch gestiegenen Mietpreise. Die monatlichen Bafög-Leistungen waren seinerzeit als Hilfe zum Lebensunterhalt gedacht, doch mittlerweile decken sie in den gefragten Uni-Städten Deutschlands nicht einmal mehr die Miete – in einer WG, versteht sich. Denn selbst die Zimmer in Wohngemeinschaften sind zu teuer, als dass sie vom Bafög-Satz gedeckt werden könnten.

Ein kurzer Bericht aus dem studentischen Leben in Deutschland angesichts der immer größer werdenden Diskrepanz zwischen staatlichen Leistungen und realen Lebenshaltungskosten.




Was kostet ein WG-Zimmer in einer deutschen Uni-Stadt?

In den seit Jahren äußerst beliebten Universitätsstädten Berlin, Augsburg, Heilbronn, Stuttgart, Ludwigsburg, München und Würzburg sind die Mieten teuer – das gilt natürlich für alle Wohnungen, aber auch bereits für Zimmer in Wohngemeinschaften. Denn eine Wohnung für sich allein kann sich der Normalstudent in der Regel nicht leisten, und muss daher mit anderen Kommilitonen in einer WG ziehen. Hierbei kommen jedoch auch schon Kosten auf den angehenden Akademiker zu, die das Bafög vielerorts überschreiten: in Berlin zahlt man 429 EUR für ein Mit-Wohnen in der WG, in München sind es 679 EUR, die man für das Studieren und Leben in einer geteilten Bleibe zahlen muss.

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Insgesamt sind die Mieten für Studenten-Wohnungen innerhalb der vergangenen acht Jahre um bis zu 50 Prozent und mehr gestiegen. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein WG-Zimmer im angesagten Prenzlauerberg, das im Jahr 2012 noch für 170 EUR zu haben war, heute schon das Doppelte kostet – und das nur im vergleichsweise preiswerten Berlin. Diese Steigerung macht sich sofort im studentischen Budget bemerkbar, denn was früher zur Zahlung der Miete für ein WG-Zimmer oder ein sehr kleines Apartment ausreichte und zudem noch einige Essen in der Mensa und ein paar Fachbücher ermöglichte, reicht heute nicht einmal zur Mietzahlung aus.




Die Folge ist, dass immer mehr Studenten immer mehr und immer prekärere Zusatzjobs ausüben müssen, um finanziell über die Runden zu kommen – und das geht oft zu Lasten der Studienzeit, die sich durch die ständige Mehrfachbelastung verlängern kann. Dadurch sinken jedoch wiederum die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, auf dem rasch Absolvierte mit kurzer Studienzeit bevorzugt werden. Ein Teufelskreis entsteht, der mit hohen Mieten und dieser Entwicklung nicht dynamisch angepassten sozialen Leistungen beginnt.

Auswege aus der Miet-Misere

Ein Rat, den erfahrene Studenten ihren Newcomer-Kommilitonen oft geben, lautet: go east. Denn im Osten, in Ostdeutschland, sind die Mieten für WG-Zimmer und sogar für kleine Wohnungen noch immer preiswerter als im Westen. In Magdeburg, Halle, Rostock und Jena können Studenten noch immer mit Mietpreisen wohnen, die weit unter westdeutschem Standard liegen – und innerhalb des Bafög-Rahmens bleiben. Wie lange der deutsche Osten allerdings ein Mieterparadies für Studenten aus dem Westen bleibt, ist noch offen, denn der „Geheimtipp“ spricht sich herum – und an der Grundsituation, der Unverhältnismäßigkeit staatlicher Leistungen zu den real gestiegenen Lebenshaltungskosten, ändert sich vorerst nichts.

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Zusammenfassung

Die staatliche Bezuschussung zum Lebensunterhalt für Studenten (Bafög) reicht heute in gefragten Uni-Städten nicht mehr zur Deckung der Miete. Angesichts dieser Preisentwicklung spitzt sich die Lage für viele Studenten drastisch zu.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch Tero Vesalainen
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