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Baugenossenschaft: Der neue Trend fürs günstige Wohnen in der Großstadt?

Redaktion 1. März 2020
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„Baugenossenschaften“ oder „Wohnbaugenossenschaften“ (abgekürzt: WBG) sind nach deutschem Recht gültige Genossenschaften, die das Ziel der günstigen Wohnraumbeschaffung für ihre eigenen Mitglieder besitzen. Meist sind diese Genossenschaften zugleich auch Bauträger, das heißt, sie erwerben Grundstücke und bauen Wohnungen für ihre Mitglieder, oder sie erwerben und sanieren Bestandsimmobilien mit demselben Ziel, ihre Mitglieder günstig in die eigenen vier Wände zu bringen.

Das Modell der genossenschaftlichen Wohnung ist das einer demokratischen Teilhabe und Partizipation, indem die Mitglieder sich Anteile – sogenannte Genossenschaftsanteile – kaufen, welche sie beim Auszug wieder zurückerstattet bekommen. Doch während der Wohndauer sind sie durch ihre Anteile am Objekt zugleich auch partiell Eigentümer und abstimmungsberechtigt in allen Fragen, die den Wohnraum betreffen.

Dieses in Deutschland schon seit Ende des zweiten Weltkriegs aktive Prinzip der Wohnbaugenossenschaften stand noch vor kurzem in dem Ruf, etwas in die Jahre gekommen und „out“ zu sein. Doch aktuell erlebt es durch die Wohnraumnot in den Großstädten einen Aufschwung: in Berlin will jeder Vierte in eine Genossenschaftswohnung, in anderen Metropolregionen ist es ähnlich. Doch hält dieser Trend an? Und ist er überhaupt geeignet, der Misere des knappen Wohnraums in Ballungsgebieten etwas entgegenzuhalten?




Eine alte Idee der Gemeinschaft, neu interpretiert: Baugenossenschaften erzeugen günstigen Wohnraum

Dass Baugenossenschaften Wohnraum erzeugen und somit das heutige Problem der falschen Verhältnismäßigkeit zwischen Nachfrage und Angebot von Wohnungen „in die Hand nehmen“, ist wohl ihr größter Vorzug. Der bekannte Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) sagt, dass derzeit über fünf Millionen Bundesbürger in genossenschaftlichen Wohnungen leben – und die Nachfrage steigt, denn als Genossenschaftsmieter fühlt man sich offenbar privilegiert und der vermieterbedingten Willkür auf dem Immobilienmarkt weniger ausgesetzt.

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Genossenschaftsanteile gibt es für die Mitglieder für zwischen 400 und 3000 EUR (oder mehr) zu kaufen, dadurch werden sie juristisch zum Miteigentümer – und leihen neuen Genossenschaften auch das nötige Kapital zum Immobilienbau. Je mehr Mitglieder und je kapitalstärker eine Baugenossenschaft, umso schneller kommen die Genossenschaftler in eine eigene Wohnung – auch in den „szenigen“ Bezirken und „angesagten“ Städten. Doch die Problematik ist die, dass es in den Metropolregionen zu wenig neues Bauland gibt.

Die neuen Wohnungsbaugenossenschaften, die sich in der deutschen Hauptstadt und an anderen Orten seit einigen Jahren etabliert haben, suchen oft händeringend nach verfügbarem Bauland, um dem Ziel der günstigen Wohnraumerzeugung entsprechen zu können. Das Problem der guten alten Idee der Baugenossenschaft ist schlicht und ergreifend, dass der Wille zum Bauen nicht reicht, auch das gesammelte Kapital der Mitglieder nicht – preiswerte Grundstücke müssen her. Und diese Misere erscheint gerade in gefragten Lagen unlösbar.




Solidarität 2.0: Wie Mieter sich durch Teilhabe auf dem schwankenden Immobilienmarkt behaupten können

Berlin will ein Exempel statuieren und 20 bis 40 Prozent der Baugrundstücke für genossenschaftliche Bauprojekte eröffnen, sagt ein Sprecher der kommunalen Städteplanungspolitik in der Hauptstadt. Auch Erbpachtverträge auf Zeit, meist für 40 oder 60 Jahre, seien jetzt möglich. In anderen deutschen Städten ist man jedoch dem alten, neuen Konzept der Genossenschaftswohnungen gegenüber nicht immer so aufgeschlossen – die Gewinnmarge für Verkäufe von Grundstücken liegt meist höher, wenn es sich um private Investoren handelt.

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Doch landauf, landab ist man sich in Deutschland mittlerweile einig, dass die problematische Wohnungssituation seit 2017 drastischere Ideen benötigt zu ihrer Lösung, als bisher angenommen. Das geschickte, zeitgemäße „Recycling“ der traditionellen Genossenschaftsidee kann eine Initiative sein, die in Zukunft erheblich zur Lösung der Wohnungsnot beiträgt.

Zusammenfassung

Das Konzept der Baugenossenschaft, noch vor kurzem als etwas veraltet und nicht mehr zeitgemäß angesehen, erlebt derzeit in Deutschland wieder einen Boom: gerade in den Großstädten wie Berlin, München und Stuttgart gründen sich neue Genossenschaften. Der Vorteil ist eine demokratische Teilhabe der Mieter, die zu der Miete auch Anteile am Wohnobjekt erwerben – und sich den Schwankungen auf dem Mietmarkt weniger ausgesetzt fühlen.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch VOJTa Herout
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