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Baukindergeld der GroKo wird von Experten scharf kritisiert

Wohnungsmarkt24 5. April 2018
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Die neue Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, Familien beim Erwerb von Wohneigentum mit dem sogenannten Baukindergeld zu unterstützen. So soll eine Familie in Zukunft für jedes Kind in einem Zeitraum von zehn Jahren jeweils 1200 Euro Unterstützung erhalten. Da sich viele Familien angesichts der steigenden Kaufpreise und der immer höheren Baukosten keine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus leisten können, hört sich das nach einer guten Maßnahme an. Allerdings kritisieren Ökonomen das Baukindergeld seit mehreren Wochen: Es sei zu teuer, provoziere Neubauten an den falschen Stellen und bringe einkommensschwachen Familien nicht den erhofften Nutzen.

Die Kosten für das Baukindergeld sind immens

Wissenschaftler vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln haben berechnet, wie teuer das Baukindergeld sein wird. Dies ermittelten sie anhand der Bautätigkeit im Jahr 2015, in der 580.000 Haushalte mit 307.000 Kindern eine Immobilie gekauft haben. Hätte der Staat schon damals Baukindergeld gezahlt, so hätten sich die Kosten dafür auf 370 Millionen Euro summiert. Diese Summe steigt jährlich weiter an, weil jedes Jahr neue Käufer hinzukommen und das Baukindergeld über zehn Jahre gezahlt wird. So beläuft sich die Summe nach zehn Jahren auf 3,68 Milliarden Euro. Höchstwahrscheinlich werden die Kosten aber noch höher sein, denn das Baukindergeld setzt neue Anreize zum Kaufen. Die Ökonomen vermuten daher, dass sich die Gesamtkosten auf vier bis fünf Milliarden Euro belaufen werden.



Das Bauen wird in Regionen angeregt, in denen kein Bedarf besteht

Das Baukindergeld ist für finanzschwache Familien gedacht. Experten kritisieren aber, dass diese Zielgruppe nur selten davon profitieren wird. Ihnen fehlt nämlich meist nicht das Geld für eine regelmäßige monatliche Zahlung von Tilgung und Zins, sondern eher das Eigenkapital für:

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Da diese Kaufnebenkosten mit den Kaufpreisen steigen, sind sie für viele Familien zu hoch. Das IW vermutet, dass vor allem jene Familien vom Baukindergeld einen Vorteil haben, die sich das Wohneigentum ohnehin hätten leisten können. Dazu kommt noch, dass das Baukindergeld zu Neubauten in Gebieten führen könnte, in denen neue Wohnungen nicht erforderlich sind. Da der Betrag fest ist, sei seine Wirkung in strukturschwachen Städten und in ländlichen Räumen viel größer als in gefragten Ballungsräumen, wie die Ökonomen vom IW vermuten.

Baukindergeld hat ähnliche negative Effekte wie Eigenheimzulage

Dazu komme noch, dass viele ländliche Gemeinden billiges Bauland am Stadtrand zur Verfügung stellen, um Bürger anzulocken und den Bevölkerungsverlust zu stoppen. Dort entstünden nun neue Einfamilienhaus-Gebiete, die in ein paar Jahrzehnten wieder leer stehen könnten. Insgesamt habe das Baukindergeld daher ähnliche negative Effekte wie die Eigenheimzulage, die 2006 abgeschafft wurde, wie etwa:

  • Mitnahmeeffekte wohlhabender Haushalte
  • Versiegelung von Flächen mit Häusern im Grünen
  • Steigende Baupreise, da Projektentwickler die Subventionen einrechnen





Alles in allem könnten Wohnungen in begehrten Regionen durch das Baukindergeld sogar teurer werden.

Auch andere Experten kritisieren das Baukindergeld

Baukindergeld GROKO

Das IW vermutet, dass vor allem jene Familien vom Baukindergeld einen Vorteil haben, die sich das Wohneigentum ohnehin hätten leisten können

Der Bund der Steuerzahler kritisiert das Baukindergeld als „ineffizientes Wohlfühlprogramm“, aber auch der Deutsche Mieterbund und der Eigentümerverband Haus und Grund betrachten die Förderung kritisch. Daniel Föst, wohnungsbaupolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, bemängelt, dass die Bundesregierung mit dem Baukindergeld am Ziel vorbeischieße. Sie setze damit falsche Anreize, statt die Wohnungsnot in den Ballungszentren zu bekämpfen.

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Der Präsident vom Immobilienverband Deutschland (IVD), Jürgen Michael Schick, bewertet die Eigentumsförderung hingegen als positiv. Für viele private Haushalte sei der Bedarf an Eigenkapital die größte Hürde beim Wohneigentumskauf. Das Baukindergeld setze an dieser Stelle an und sei daher eine eigentumsfördernde Maßnahme. Seiner Meinung nach sei es richtig, jungen Familien einen Anreiz zum Eigentumserwerb zu geben, weil die Wohneigentumsquote gerade in den jüngeren Altersgruppen zurückgehe. Dabei benötigen diese laut Schick Wohneigentum als Schutz vor steigenden Wohnkosten und vor Altersarmut. Das IW findet Eigentumsförderung ebenfalls wichtig, allerdings befürwortet es andere Mittel, wie etwa einen Freibetrag bei der Grunderwerbssteuer, Kreditausfallgarantien oder Bürgschaften, um den Eigenkapitaleinsatz bei der Finanzierung zu senken. Zudem müsse die Städtebauförderung optimiert werden, damit es möglich ist, mehr günstigen Wohnraum zu schaffen.



Zusammenfassung

Das Baukindergeld der neuen Bundesregierung soll Familien dabei helfen, sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen, allerdings wird es von Experten stark kritisiert. Es sei zu teuer, habe zu große Ähnlichkeiten mit der im Jahr 2006 abgeschafften Eigenheimzulage und bringe ähnliche negative Effekte wie steigende Baupreise, Mitnahmeeffekte wohlhabender Haushalte und Versiegelung von Flächen mit Eigenheimen im Grünen mit.

Fotoquelle: https://de.fotolia.com - Urheber: pusteflower9024
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