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Berlin: 310.000 bezahlbare Wohnungen fehlen

Wohnungsmarkt24 30. April 2018

Im Moment fehlen in Berlin mehrere Hundertausend bezahlbare Wohnungen. Gerade bei Single-Appartements ist der Mangel enorm.

Studie zeigt: In Berlin fehlen deutschlandweit die meisten bezahlbaren Wohnungen

Wie eine kürzlich veröffentlichte Studie von Stadtsoziologen der Berliner Humboldt-Universität und der Frankfurter Goethe-Universität im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, fehlen in ganz Deutschland 1,9 Millionen bezahlbare Wohnungen. Obwohl die Hauptstadt das Problem der fehlenden Wohnungen mit 76 anderen Großstädten in Deutschland teilt, ist der Wohnungsmangel mit etwa 310.000 bezahlbaren Wohneinheiten in Berlin deutschlandweit am größten. Insbesondere Appartements für Einpersonenhaushalte mit einer Wohnfläche von weniger als 45 Quadratmetern fehlen: Etwa 217.000 Wohnungen gibt es in dieser Größenordnung in Berlin zu wenig.




Der Berliner Stadtsoziologe Andrej Holm erklärt, dass in der Studie untersucht wurde, wie viele wirklich bezahlbare Wohnungen im Bestand bereits jetzt fehlen. Demzufolge bedeute diese Zahl nicht, dass unzählige Menschen obdachlos sind, sondern vielmehr, dass sie in deutlich zu teuren Wohnungen leben. Erst vor ein paar Wochen teilte die Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher von den Linken mit, dass 77.000 Wohnungen in Berlin fehlten, damit trotz der drastischen Zuzüge nach Berlin weiterhin alle Haushalte mit einer Wohnung versorgt werden können. Die Tatsache, dass die neuen Zahlen weitaus höher liegen, ist in politischer Hinsicht pikant: Holm war früher nämlich Lompschers Staatssekretär, der wegen Stasi-Vorwürfen zurücktreten musste. Auch nach seinem Ausscheiden ist der Soziologe aber noch im „Begleitkreis Wohnen“ aktiv, einem bedeutenden Beratergremium der Senatsverwaltung.

Experten fordern Mietpreise in Höhe von vier bis fünf Euro

In ihrer Studie haben die Wissenschaftler die Einkommen der Großstadthaushalte mit dem lokalen Wohnangebot verglichen. Es wurde in der Studie davon ausgegangen, dass eine Bruttomiete nur bezahlbar ist, wenn sie bei höchstens 30 Prozent des Haushaltseinkommens liegt. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass es sehr wichtig sei, das Angebot an kleinen Wohnungen mit Nettokaltmieten in Höhe von vier bis fünf Euro pro Quadratmeter enorm auszubauen. Nur dann könne der Mangel an bezahlbaren Wohnungen verkleinert werden.

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Die Angaben des aktuellen Berliner Mietspiegels zeigen jedoch, dass die durchschnittliche Kaltmiete der Stadt im Moment bei 6,39 Euro je Quadratmeter im Monat liegt. Die Angebotsmieten – also jene Mieten, die fällig werden, wenn ein neuer Mietvertrag zustande kommt – sind mit 9,79 Euro pro Quadratmeter im Monat noch einmal deutlich teurer.



360.000 Haushalte in Berlin gelten als armutsgefährdet

In Berlin gibt es rund 360.000 Haushalte, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland besitzen. Sie gelten als armutsgefährdet. Dies entspricht bei einem Singlehaushalt inklusive aller Sozialtransfers weniger als 890 Euro im Monat, bei einem Drei-Personen-Haushalt sind es 1781 Euro. Zudem kommen noch Tausende Studenten hinzu, die ebenfalls verzweifelt nach günstigen Mietwohnungen suchen.

Die Haushalte, die ein so geringes Einkommen haben, besitzen nur sehr wenig Geld für die alltägliche Lebensführung, wenn 30 Prozent oder mehr für die Warmmiete bezahlt werden müssen. Darauf wird in der Studie hingewiesen. Die Wissenschaftler betonen, dass eine Abhilfe nur möglich sei, wenn der soziale Wohnungsbau deutlich gestärkt werde.

Großdemonstration gegen steigende Mieten für Samstag geplant

Dies ist eine der zahlreichen Forderungen, die das Bündnis „Mietenwahnsinn widersetzen“ ebenfalls stellt. Es besteht aus 182 Kiez- und Anwohnerinitiativen, Sozial- und Kultureinrichtungen sowie Mietervereinen und hat für Samstag eine Großdemonstration geplant, an der mehrere Tausend Menschen teilnehmen. Kathrin Ottovay, Mitorganisatorin der Kreuzberger Initiative „Bizim Kiez – Unser Kiez“ kritisiert, dass Menschen durch steigende Mieten aus Berlin verdrängt werden. Zudem werden Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt und es komme zu einer Zerstörung der Nachbarschaften. Peter Schmidt vom „Mieterprotest Kosmosviertel“ in Altglienicke ergänzt, dass es mittlerweile selbst am Stadtrand kaum noch bezahlbare Wohnungen gebe. Der private Besitzer der zuvor landeseigenen Siedlung hat geplant, rund 1900 Wohnungen zu sanieren. Das würde die Mieten um 30 bis 40 Prozent nach oben treiben. Etwa die Hälfte der derzeit 5000 Bewohner in der Plattenbausiedlung könne sich die Miete dann nicht mehr leisten, stellt Schmidt fest.




Die Demonstration gegen steigende Mieten wird am Samstag um 14 Uhr am Potsdamer Patz stattfinden. Es ist ein Protestmarsch von der Potsdamer Straße bis zu den Jugendklubs „Potse“ und „Drugstore“ geplant, denn deren Mietverträge laufen bis zum Jahresende aus.

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Zusammenfassung

Esfehlen etwa 310.000 bezahlbare Mietwohnungen in Berlin, wobei es insbesondere an kleinen Single-Appartements mangelt. Experten fordern daher eine Kaltmiete von vier bis fünf Euro pro Quadratmeter sowie eine starke Förderung des sozialen Wohnungsbaus.

Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch Sean Pavone