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Immobilienmarkt News

Der Berliner Speckgürtel wird teurer

Redaktion 13. Dezember 2019
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Teure Mieten für ein Hinterhofzimmer? Obdachlose, Wohnungssuchende in Massen, und nicht zuletzt der umstrittene Mietendeckel: Berlin war 2019 die Metropole des unbequemen Mietens in Deutschland. Die problematische Wohnsituation in der deutschen Hauptstadt mit ihrem beengten Immobilienmarkt und dem rasanten Zuzug hat spätestens seit dem Sommer 2019 für ein Rauschen im Blätterwald geführt.

Doch die Situation ist weder vorbei, noch sind die zugrundeliegende Strukturschwächen behoben: jahrelange massive Fehlplanung von Senat und Behörden führte zu einem drastischen Mangel an verfügbarem Wohnraum. Da der Wohnraum in der City noch immer knapp ist, ziehen immer mehr Mieter in den „Speckgürtel“ rund um die Spree-Stadt, zum Beispiel nach Potsdam. Doch auch dort steigen die Mieten enorm.




Potsdam ist nicht mehr preiswerter als Berlin

Wer dem Lärm, der Kriminalität und den teuren Mieten in der Hauptstadt entfliehen möchte, zieht nach Potsdam – das war schon lange vor der drastischen Zuspitzung der Miet-Misere in Berlin ein beliebtes Motto vieler Berufstätiger. Gerade auch Gut- und Besserverdienende zogen bevorzugt ins brandenburgische Umland, um dort Ruhe, schönere Wohnungen und etwas entspannte Immobilienpreise genießen zu können.

Insbesondere Potsdam mit seinen historischen Bauten, malerisch gelegen inmitten reizvoller Natur, war schon vor 2019 ein Geheimtipp unter Gutbetuchten und auch zunehmend unter Mittelständlern, die nicht mehr bereit waren, ein Drittel oder gar die Hälfte ihres Einkommens für die Miete auszugeben. Die Anfahrtszeiten zur City und zurück von rund einer halben Stunde erschienen da vielen passabel für den Gegenwert einer preiswerten Wohnung im Grünen.

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Doch die Situation hat sich grundlegend verändert. Der Verband Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen (BBU) hat nun festgestellt, dass die Mieten in Potsdam genauso hoch sind wie in der Hauptstadt. In Berlin zahlt der Mieter durchschnittlich 7,80 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, und in der ehemaligen Königsresidenz Potsdam sind es gegenwärtig 6,74 Euro. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass die Preise dynamisch ansteigen und der Mietpreisanstieg im Berliner Umland satte 5,5 Prozent beträgt, Tendenz steigend. Von einer Ersparnis kann also nicht mehr die Rede sein.




Der Wegzug von Mietern in den Berliner „Speckgürtel“ lässt die Mieten drastisch steigen

Der BBU erklärt auch, worin die Ursachen für den deutlichen Mietpreisanstieg im Berliner Umland liegen: durch den massenhaften Wegzug nach Potsdam und in andere umliegende Städte kommt es zu vielen Neuvermietungen. Neuvermietungen jedoch geben dem Vermieter das legale Recht, die Miete zu erhöhen, oder, anders ausgedrückt, marktgerecht anzupassen. Da der Markt für Immobilien in Berlin-Brandenburg sehr beengt ist und es weitaus mehr Nachfrage als Angebote gibt, darf der Vermieter sich dieser Dynamik anpassen und eine verhältnismäßig höhere Miete verlangen.

Durch zahlreiche solcher, dynamisch angepasster, Neuvermietungen wurde das einst günstige Berliner Umland zu einer Region, in der fast dieselben Durchschnittsmieten gelten wie in der Hauptstadt selbst. Der Verband BBU, der Wohnungsbaugesellschaften vertritt, hat sowohl städtische und genossenschaftliche, als auch private Vermieter wie Deutsche Wohnen und Vonovia als Mandanten. Seine Mandanten befürchten, dass durch die Mietpreisbremse in Berlin auch im Umland Wohnungen nicht mehr marktgerecht angepasst werden könnten, was die Mieten angeht.

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Karin Lompscher (Die Linke), die sich für die Mietpreisbremse eingesetzt hatte,  hält jedoch dagegen, dass es für niemanden aufgrund des demokratischen Gleichbehandlungsgesetzes keine Ausnahme von der Mietpreisbremse geben dürfe. Allerdings fassen andere Parlamentsmitglieder die Misere an der Spree kritischer zusammen: Bauen, nicht Diskutieren sei jetzt die Hauptsache.

Zusammenfassung

Die hohen Mieten in der deutschen Hauptstadt haben schon seit längerer Zeit zu einem Massenwegzug von Mietern in den „Speckgürtel“ um die Spree-Metropole geführt. Doch nun legt der Verband Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen (BBU) belastbare Daten vor, denen zufolge auch im Berliner Umland die Mieten drastisch angestiegen sind, so dass der Wegzug aufs vermeintlich preiswertete Land sich nicht immer lohnt.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch immodium
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