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Bohrlöcher in Fliesen und Wänden: Was darf der Mieter, und wo sagt das Mietrecht Nein?

Redaktion 7. April 2021
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Grundsätzlich dürfen Mieter in Deutschland kleine Veränderungen in der Mietwohnung vornehmen, sofern dadurch die Qualität, Substanz oder Nutzbarkeit der Immobilie nicht verändert wird und die Veränderungen rückgängig gemacht werden können – spätestens beim Auszug. Zu solchen geringfügigen Modifikationen der Mietsache gehören sogenannte „Dekorationsfreiheiten“ wie das Aufhängen von Fotos und Bildern an der Wand, sowie auch das Anbringen von Wandregalen und Ähnlichem mit den entsprechenden Befestigungsmaterialien.

Meistens greift der Mieter hierzu beherzt zum Bohrer und bringt Dübel oder Nägel in Wand und Fliese an, um seiner Fantasie bei der Raumgestaltung freien Lauf zu lassen. Generell ist das erlaubt, doch wie bei allem, was Recht ist, geht es auch hier um solche Faktoren wie Menge, Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit. Denn ein Mieter darf keinesfalls die Wände in der Wohnung durch Dübel und Nägel so verunzieren, dass sie einem Schweizer Käse gleichen, selbst wenn er die Bohrlöcher beim Auszug spachteln und überstreichen würde.

Was ist nun die aktuelle Rechtslage in Bezug auf Bohrungen in der Mietwohnung – was darf der Mieter, welche Rechte hat der Vermieter, und was sagt das Vertragsrecht? Ein Überblick über ein aktuelles Thema, das nicht nur für Hobby-Handwerker relevant ist.



Bohren, bis der Arzt kommt? Was der Mieter darf – und was nicht

Entscheidend ist bei allen Mietverträgen der sogenannte vertragsgerechte Gebrauch, der auch das Anbringen von Bohrlöchern implizit mit meint. Die Rechtsanwältin Beate Heilmann von der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien im Deutschen Anwaltverein in Berlin hat klargestellt, dass es auch zum vertragsgemäßen Gebrauch gehört, Gegenstände an der Wand zu befestigen. Allerdings bleibt die Frage offen, ob der Mieter gesetzlich verpflichtet ist, die Bohrlöcher oder Dübellöcher beim Auszug auch wieder zu schließen.

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Hier scheint es aus Expertensicht keine Rechtspflicht zu geben, wohl aber eine Vertragspflicht. Denn entscheidend sei es im Einzelfall, was im individuellen Mietvertrag steht. Der Deutsche Mieterbund weist hierbei auf eine aktuelle Entscheidung des Bundesgerichtshofs hin (Az.: VIII ZR 10/92). Demnach ist eine konkrete Regelung im Mietvertrag, der zufolge der Mieter bei Beendigung des Mietverhältnisses verpflichtet ist, die Bohrlöcher für Dübel oder Löcher von Nägeln in Fliese und Wand zu entfernen, und durchbohrte Kacheln zu ersetzen, unwirksam.

Allerdings gilt, um vermeidbarem Streit vorzubeugen, eine gewisse handwerkliche Regel: wer in der Mietwohnung bohren will, soll das mit möglichst wenig Sachschaden tun, zum Beispiel bei Kacheln in die Fugen und Zwischenräume bohren und nicht in die Kachelplatte selbst. Außerdem gilt, dass die Hausordnung beherzigt werden muss – was verhindert, dass der Dekorateur von Mieters Gnaden nicht in einer Anwandlung künstlerischen Genies um Mitternacht zum Bohrer greift, wenn Ruhezeit herrscht.




„Verbohrte“ Rechtsansichten? Rechte und Pflichten beim Auszug

Doch stimmt das, dass ein Mieter vorbehaltlich möglicher Ruhestörung und in Achtung geringen Sachschadens bohren und dübeln darf, wie er möchte, und eventuell seinem Nachmieter eine stark beschädigte Wand hinterlässt? Gibt es überhaupt eine Grenze, wie viele Bohrlöcher ein Vermieter hinnehmen muss? Hier ist die deutsche Rechtslage nicht ganz eindeutig und insofern interpretierbar. Zur zweiten Frage, der Anzahl von Bohrlöchern in der Mietwohnung, existiert keine konkrete Aufstellung, an der man sich orientieren könnte, etwa ein Zahlenwert x pro Quadratmeter Wohnfläche oder generell ein Richtwert für Wohnungen bestimmter Größenordnungen.

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Doch die erste Frage, die der Mieterpflicht zum Beseitigen kosmetischer Mängel in der Wohnung, ist ohnehin in der Rechtspraxis wichtiger, da es um Haftung oder Schadensbeseitigung geht. Das Landgericht Wuppertal entschied vor kurzem einmal grundsätzlich, dass Mieter immer zur Beseitigung von Dübel- oder Bohrlöchern verpflichtet seien (Az.: 9 S 18/20), doch aus Sicht vieler Rechtsexperten ist das ein einzelnes Urteil in einem bestimmten Kontext, welches keine allgemeine Gültigkeit hat. Anders ist es, wenn der Mieter laut Mietvertrag zu Schönheitsreparaturen in der Wohnung verpflichtet ist: dann zählt das professionelle Verspachteln von Bohrlöchern zu seinen Pflichten, spätestens beim Auszug.

Zusammenfassung

Bohrlöcher in Fliesen und Wänden sind oft Begleiterscheinungen einer vor allem langfristigen Vermietung, weil sich der Mieter gern individuelle Gegenstände seinen Bedürfnissen in der Mietwohnung anpasst. Allerdings darf er nicht wie es ihm beliebt den Bohrer verwenden – und vor allem, er darf nicht beliebig viele Bohrlöcher beim Auszug hinterlassen. Welche Freiheiten Mieter diesbezüglich haben und andererseits welche Rechte die Vermieter an ihrem Eigentum besitzen, haben unlängst einige deutsche Gerichtsurteile geklärt, die fortan in solchen Fällen als paradigmatisch gelten.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch Robert Kneschke
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