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Das neue WEG-Gesetz: Mehr Transparenz, einfachere Sanierungen

Redaktion 19. November 2020
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Noch kurz vor Ende 2020 ereignet sich eine juristische Novelle, auf die Eigentümer in Deutschland, die Vermieter sind, nur gewartet haben: am 1.12.2020 tritt die WEG-Reform in Kraft, welche das Wohneigentumsrecht (abgekürzt WEG) reformieren soll. Das Reformgesetz zur Neugestaltung der WEG-Verordnungen wurde erst kürzlich im Bundesgesetzblatt angekündigt und soll ab Anfang Dezember als verbindlich gelten. Doch was bedeutet das konkret in der Praxis, und wie verändern sich die Verhältnisse zwischen Mietern und Vermietern, oder die Kooperation innerhalb von Wohnungs-Eigentümergemeinschaften? Im Folgenden gibt es einen kurzen Überblick über die geplanten WEG-Änderungen und ihre wichtigsten Konsequenzen.




Neue Regeln für Eigentümer

Nun ist es also amtlich: am 01.12.2020 werden viele neue Regeln im deutschen Wohnungseigentumsrecht gültig, nachdem das Reformgesetz nach langer Diskussion am 22.10.2020 im Bundesgesetzblatt verkündet wurde (BGBl. I 2020, S. 2187). Die neuen Vorschriften bringen für WEG-Verwalter und Eigentümer von Wohnungen deutliche Einschnitte, mit sich sind aber aus Sicht der Eigentümer meist positiv, weil sie das Verwalten der Immobilien erleichtern. Kürzere Wege, einfache Entscheidungen – das ist die Zukunft.

Und auch mehr Transparenz und Kompetenz wird Alltag in Wohneigentümergemeinschaften sein, denn ab Dezember 2020 hat jedes WEG-Mitglied einen Anspruch darauf, dass ein zertifizierter Verwalter eingesetzt wird. Der entsprechende Passus lautet: § 19 Abs. 2 Nr. 6 WEG-neu. Dadurch wird geregelt, was der Berufsverband für Immobilienverwalter (VDIV) schon lange fordert, nämlich dass vorrangig zertifizierte Verwalter auch tatsächliche praktische Verwaltungsarbeit in Immobiliengemeinschaften anbieten sollten.

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Durch diese neue Regelung soll die entsprechende Sachkunde bei Verwalterleistungen gewährleistet werden und neben der fachlichen Professionalität auch mehr Transparenz entstehen, zum Beispiel bei Handwerkerbeauftragungen und Nebenkostenabrechnungen. Für die WEG-Vermieter erleichtert das einen Teil ihrer Arbeit ganz erheblich und es lässt sich voraussehen, dass ein partnerschaftlicher Umgang mit der professionellen Verwaltung entsteht.

Sanieren und Renovieren leicht gemacht

Ein neues Dach, schönere Fliesen auf dem Gemeinschaftsgut Außenterrasse, oder eine attraktive Flursanierung im Treppenhaus? Noch bis vor kurzem konnten WEG-Versammlung mehrfach tagen, um über solche Sanierungen abzustimmen – und ohne Ergebnis wieder auseinandergehen. Das soll jetzt aber Vergangenheit sein. Bauliche Veränderungen werden ab sofort mit einfacher Mehrheit beschlossen, so sieht es der Passus vor: § 20 Abs. 1 WEG-neu. Alle Miteigentümer, die zugestimmt haben, müssen die Kosten übernehmen, jedoch auch die, die nicht zugestimmt haben, je nach ihrem Miteigentumsanteil.




Ein Grund dieser Novelle war die aktuelle bauliche Situation in vielen WEG in Deutschland: sanierungsbedürftige Bausubstanzen standen einem zähen Ringen der Eigentümergemeinschaften um Konsensbeschlüsse entgegen. Das Resultat war, dass viele sanierungsbedürftige Objekte jahrelang nicht renoviert wurden und die Wertsituation der Wohnungen, aber auch die Qualität für den Mieter, erheblich sank. Zudem waren viele Vermieter zu Recht verärgert, wenn sie ihr Renditeobjekt durch bauliche Neuerungen effektiv aufwerten wollten, sich aber andere uneinsichtige WEG-Mitglieder dagegenstellten und die Sanierung immer wieder verhinderten.

Ein Hintergrund der WEG-Reform war die Sorge des Gesetzgebers, angeregt durch gut informierte Interessenverbände aus Wirtschaft, Immobilienbranche und Justiz, dass die dynamischen Immobilien-Märkte auf Verwalterseite und Eigentümerseite immer schwerer zu handhaben sind. Eigentum ist ein Grundrecht – so steht es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Wer Eigentum besitzt, etwa in Form von Immobilien, sollte also auch bei systemischen Veränderungen auf den Märkten wie bei Überalterung von Bestandsimmobilien und wachsenden baulichen Standards die Möglichkeit haben, dieses Dilemma möglichst unbürokratisch und selbstbestimmt zu verwalten.

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Zudem entspricht es auch einem generellen staatlichen Interesse, wenn zur Vermietung stehendes Wohneigentum gepflegt wird – es sorgt für hochwertigen Wohnraum, erhöht die Qualität für Mieter und trägt zu deren Lebensstandard bei.

Zusammenfassung

Das deutsche WEG-Gesetz war seit Jahren erneuerungsbedürftig – zu umständlich, zu bürokratisch, meinten Kritiker. Ab dem 01.12.2020 tritt eine Neuverordnung zum WEG-Gesetz in Kraft, welche die Möglichkeiten der Eigentümer neu definieren und ihren Entscheidungsspielraum vergrößern soll, um der Dynamik der Immobilien-Märkte flexibel zu begegnen. Einige Aspekte der innovativen Gesetzgebung, die bald zur Norm wird, sind mehr Transparenz, kürzere Entscheidungswege für Vermieter und unkompliziertere Regelungen bei Sanierungen und Renovierungen.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch 88studio
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