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Immobilienmarkt Wohnungen

Der Chef als Vermieter: Mit dem Jobangebot gleich ein neues Zuhause ergattern

Redaktion 14. Februar 2020
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In den 70er-Jahren war es ein weitverbreitetes Konzept, nun wird es wiederbelebt: Das Konzept „Mitarbeiterwohnen“ ist für Unternehmen in Zeiten eines angespannten Wohnungsmarkts Gold wert. Immer mehr Unternehmen setzten darauf, Immobilien zu bauen oder zu erwerben und dann an ihre Mitarbeiter unterzuvermieten. Eine Studie belegt nun: Wenn der Chef Jobs und Wohnung bietet, wird sogar eine Kleinstadt wiederbelebt.




Espelkamp: Zusammenarbeit mit Wohnungsfirma hat sich ausgezahlt

Die Kleinstadt Espelkamp liegt im nordöstlichen Nordrhein-Westfalen, gehört zum Kreis Minden-Lübbecke im Regierungsbezirk Detmold. Trotz guter wirtschaftlicher Lage und zahlreichen Arbeitsplätzen wollte offenbar niemand in das Kleinstadtidyll ziehen. Zwischen den Jahren 2010 und 2017 sank die Einwohnerzahl von 25.207 (Quelle: Wikipedia) auf 24.809 Einwohner (Quelle: Landesbetrieb it. NRW Statistik und IT-Dienstleistungen).

Die Wohnungsfirma Aufbaugemeinschaft Espelkamp hatte die rettende Idee: Mitarbeiterwohnungen. In enger Zusammenarbeit entstanden neue Immobilien, Arbeitgeber mieten bei der Aufbaugemeinschaft und untervermieten an ihre Mitarbeiter weiter. Und siehe da: Die Fachkräfte kamen und blieben. Ende des Jahres 2019 lag die Einwohnerzahl bei 26.322 Einwohnern (Quelle: Einwohnermeldeamt Espelkamp).

Mein Chef, der Vermieter: Bezahlbarer Wohnraum in der Großstadt

Das Konzept von Mitarbeiterwohnungen ist nicht neu, erlebt jedoch gerade ein Revival. Nicht nur in der Kleinstadt hat es einen riesigen Erfolg – gerade in den Großstädten scheint der „Chef als Vermieter“ wie eine Bombe auf den Wohnungsmarkt einzuschlagen. In Berlin werben beispielsweise Firmen verstärkt damit, zum Jobangebot auch die passende Wohnung vermieten zu können. Erst vor wenigen Wochen hat beispielsweise die Berliner Polizei ein Apartmenthaus für ihre Auszubildenden übernommen.

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Aber auch in anderen Städten haben große Firmen das Konzept der Mitarbeiterwohnungen für sich entdeckt: Die Deutsche Bahn, Industrieunternehmen wie Bosch, BASF, VW und Audi oder aber auch die Stadtwerke in Köln und München mieten Wohnraum für ihre Angestellten an. In Berlin beteiligt sich die landeseigene „Berlinovo“ daran, die neben Wohnraum für Senioren und Studenten aktuell auch 38 Prozent der 6.500 möblierten Apartments an Firmen vermietet hat.

Die Preise sind zwar nicht günstig, aber durchaus bezahlbar. So kostet beispielsweise ein möbliertes Doppelapartment mit 34 Quadratmetern Wohnfläche bei der „Berlinovo“ 760 Euro warm, ein Ein-Zimmer-Apartment mit 16 Quadratmetern 380 Euro.




Studie bestätigt: Arbeitgeberangebot entlastet den Wohnungsmarkt

Was Firmen und Wohnungsunternehmen längst in der Praxis festgestellt haben, bestätigte diese Woche aktuell auch eine Studie des Berliner Instituts Regiokontext, in der verschiedene Beispiele des Werkswohnungsbaus zusammengetragen wurden. So zeigen sich hier die Erfolgsgeschichten von Espelkamp, der Deutschen Bahn, der „Berlinovo“, dem Münchener Flughafen und vielen mehr.

„Aus Sicht der Unternehmen stellt Mitarbeiterwohnen ein attraktives Instrument der Personalpolitik dar“, sagt Arnt von Bodelschwingh, Geschäftsführer des Berliner Instituts Regiokontext. Solch eine Ausweitung des Wohnungsangebotes würde dem gesamten Immobilienmarkt nutzen und ihn entlasten, ist sich Bodelschwingh sicher. Dennoch gibt es keine amtlichen Zahlen in der Studie, wie viele Arbeitgeber Wohnungen für ihre Mitarbeiter bereitstellen.

Auch die Politik habe die Vorzüge erkannt, heißt es in der Studie von Regiokontext. Zum 1. Januar 2020 beispielsweise fallen Steuernachzahlungen durch die neue Regelung des „geldwerten Vorteils“ weg, wenn der Chef vergünstigt an Mitarbeiter vermietet. Auch auf Landesebene gibt es Bewegung. So arbeitet das Land Mecklenburg-Vorpommern an einer Förderrichtlinie, die Firmen bei der Erschaffung von Wohnungen für Mitarbeiter unterstützen soll. Auch in Berlin sind eine Gesetzesänderung und bessere Rahmenbedingungen für Werkswohnung in Aussicht gestellt.

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Unterstützung auch von Mieterverbänden

Mieterverbände unterstützen das Konzept der Mitarbeiterwohnungen ebenfalls – allen voran der Deutsche Mieterbund (DMB) und der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). „Wer Mitarbeiter sowie Fachkräfte sucht, muss sich heute auch um die Frage des Wohnens kümmern“, sagt DMB-Geschäftsführer Ulrich Ropertz gegenüber der Berliner Zeitung.

Dennoch läge der Knackpunkt immer noch bei den Bauflächen, die verstärkt von den Kommunen ausgewiesen werden müssen, um das Konzept zu unterstützen. „Der Engpass beim bezahlbaren Bauen und Wohnen ist und bleibt aber die Grundstücksvergabe“, äußerte sich GdW-Hauptgeschäftsführerin Ingeborg Esser in diesem Zusammenhang.

Zusammenfassung

Das Konzept der Mitarbeiterwohnung erlebt aktuell ein erfolgreiches Comeback – immer mehr Firmen locken mit Job und Mietwohnung zugleich. Eine aktuelle Studie hat nun gezeigt, wie erfolgreich dieses Konzept den Wohnungsmarkt entlasten kann.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch fizkes
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