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Trotz angespannter Lage auf dem Immobilienmarkt: Deutschland baut weniger

Redaktion 22. Juni 2019
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Es wird immer enger in Deutschland. Das Statistische Bundesamt hat am Dienstag veröffentlicht, dass im ersten Quartal 2019 weniger Baugenehmigungen erteilt wurden als im Vorjahr. Die Gründe dafür seien der Mangel an Bauflächen in Ballungsräumen, gestiegene Preisen in der Baubranche und dem überlasteten Handwerkergewerbe.




Weniger Wohnungen, aber mehr Einfamilienhäuser

Nach der veröffentlichten Statistik wurden in den ersten vier Monaten dieses Jahres der Bau von 105.800 Wohnungen genehmigt. Das sind 1,3 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Es handelt sich dabei ebenso um Genehmigungen für neue Gebäuden sowie für Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden, teilt das Statistische Bundesamt mit.

In neu zu errichteten Wohngebäuden haben die Behörden zwischen Januar und April 2019 lediglich 92.000 Wohnungen genehmigt. Das waren 1,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum – was 1.300 Wohnungen entspricht. Besonders deutlich wird der Wohnungsbaurückgang bei der Kategorie der Zweifamilienhäuser. Hier wurden in den ersten vier Monaten des Jahres 2019 lediglich 6.546 Bauvorhaben bewilligt. Im Vorjahreszeitraum waren es noch über 6.900 Genehmigungen – ein Rückgang von 5,2 Prozent.

Lediglich bei den Einfamilienhäusern konnte ein Zuwachs verzeichnet werden. Im ersten Quartal 2019 wurden hier rund 29.000 Bauprojekte genehmigt, 625 Einfamilienhäuser (2,2 Prozent) mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Gebäudeart Wohnungsgenehmigungen
Januar-April 2019 Januar-April 2018 Veränderung
Wohn- und Nichtwohngebäude (alle Baumaßnahmen) 105 811 107 256 -1 445
davon Einfamilienhäuser 29 013 28 388 625
davon Zweifamilienhäuser 6 546 6 902 -356
davon Häuser mit drei und mehr Wohnungen 53 388 53 664 -276
davon Wohnheime 3 007 4 265 -1 258
Eigentumswohnungen 23 682 25 056 -1 374
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Quelle: Statistisches Bundesamt




Auch der Sozialwohnungsmarkt stockt

Ähnlich schlechte Nachrichten kommen auch vom Markt der Sozialwohnungen. Das Bundesinnenministerium hat den Bundestag informiert, dass im vergangenen Jahr nur 27.040 geförderte Sozialwohnungen gebaut wurden. Ein Grund sei hierfür, dass Wohnungen nach einer gewissen Zeit aus der staatlichen Sozialbindung fallen würden – und somit „normal“ vermietet würden. Folgt kein gesteigerter Bau von Sozialwohnungen, sinke die Zahl insgesamt.

Dabei sind Politik und Bauwirtschaft sich einig: Rund 350.000 bis 400.000 Wohnungen müssten jährlich entstehen, um zukünftig die große Nachfrage nach Immobilien zu decken. 2018 waren es jedoch nur 302.800 Wohnungen. Ein Grund für den Baurückgang ist die Knappheit an Flächen. Vor allen in Ballungsräumen sind diese rar und die Preise dafür enorm gestiegen. Zudem sind die Auftragsbücher der Handwerker im Baugewerbe mehr als voll – die Fachkräfte kommen kaum noch hinterher.

Forderung nach weniger Regulierungen

„Die Baupolitik in Deutschland ist größtenteils eingeschlafen“, wird Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), Andreas Mattner von der Nachrichtenagentur Reuters bezüglich der neu veröffentlichten Zahlen zitiert. „Offenbar schreckt Regulierung ab. Mietpreisdeckel und Modernisierungsstopp werden noch weitere Tribute fordern.“ Es sei notwendig, der Forderung der Wirtschaft nach mehr günstigem Bauland und weniger staatlichen Vorgaben nachzugeben.

Ein Beispiel sei die Grunderwerbssteuer, deren Ralley gestoppt werden sollte. Zudem schlägt der ZIA unter anderem eine digitale Bauakte vor, die die Zusammenarbeit aller Beteiligten erleichterte. Diese Maßnahme könne durch Forschungsmittel des Bundes finanziert werden, argumentiert der ZIA in einem 28-Punkte-Papier. Weitere Ideen darin sind die zeitliche Begrenzung der Bearbeitung von Bauanträgen durch ein gestrafftes Genehmigungsverfahren, Neuregelung der Abstandsregel im Wohnungsbau oder die Vereinheitlichung der Bauordnung der Länder. „Bis das alles zieht, hilft nur ein besseres Wohngeld statt Regulierung“, zitiert die Haufe Online Redaktion den ZIA-Präsident.

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Forderung: Leerstand im ländlichen Raum nutzen

Gleichzeitig werden Forderungen laut, sich angesichts der angespannten Lage nicht nur auf den Wohnungsneubau zu verlassen. Der Präsident des Immobilienverbandes IVD Michael Schick forderte gegenüber der Haufe Online Redaktion, dass man bereits vorhandenen Wohnraum besser nutzen sollen, da der Mangel an Wohnraum vor allem in Großständen ein Problem sei. „Es gibt derzeit außerhalb der Wachstumsregionen laut Hochrechnungen mehr als 300.000 marktaktive Leerstände mit steigender Tendenz“, so Schick.

So sei es auch wichtig, die Infrastruktur und Lebensbedingungen in ländlichen Regionen und kleineren Städten zu stärken und somit attraktiver zu machen. Das könnte den Wegzug in die Ballungsräume bremsen und auch ein wenig Druck vom angespannten Wohnungsmarkt nehmen.

Zusammenfassung

Deutschland baut weniger: Im ersten Quartal 2019 wurden weniger Baugenehmigungen erteilt als im Vorjahr, informiert das Statistische Bundesamt. Immobilienexperten fordern angesichts dieser Zahlen weniger Regularien und mehr Nutzung von ländlichen Räumen.


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Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch Francesco Scatena
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