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Immobilienmarkt News

Wohnen im Eigenheim: Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland

Redaktion 17. September 2020
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„Der eigne Herd ist Goldes wert“ – das ist ein altes deutsches Sprichwort, welches den hohen psychologischen und sozialen Wert des Eigenheims (nicht nur des Herdes, der stellvertretend für das Haus steht) betont. Grundsätzlich denken Deutsche recht positiv über den Erwerb und Besitz eigener Immobilien zum Wohnen, sagen mehrere aktuelle Umfragen aus. An dieser mehrheitlichen Positiv-Stimmung dem Eigenheim gegenüber hat auch die aktuelle Corona-Pandemie nichts ändern können; im Gegenteil, durch den erforderlichen sozialen Rückzug ins Eigene ist die Aktie der selbstbewohnten Immobilie gestiegen.

Allerdings hat sich die Bevorzugung eigenen Kapitals in Stein nicht überall in Deutschland gleichmäßig abgebildet, was die Besitzverhältnisse zeigen: im Osten gibt es nach wie vor viel mehr Mieter, im Westen mehr Eigentümer. Warum das so ist und welche Entwicklungen uns voraussichtlich in der Zukunft erwarten, zeigen Aufschlüsselungen eines großen deutschen Immobilienportals.




Ostdeutschland – Mieterregion und verhinderter Kapitalaufbau

Die aktuelle Analyse der Eigenheimquote in Deutschlands Osten und Westen zeigt, dass Ostdeutschland in allen kreisfreien Regionen und Städten weniger Eigentümer – und demnach mehr Mieter – aufweist als Westdeutschland. Am niedrigsten ist die Eigentümerquote in Leipzig: nur 12 Prozent der Wohnungen werden von Eigentümern bewohnt. In Berlin sieht es ganz ähnlich aus: nur 15 Prozent der Wohnungen gehören rechtlich ihren Bewohnern im Eigentum, der Rest ist vermietet. In der Hauptstadt herrscht allerdings eine rege Zuzugs- und Wegzugsdynamik aufgrund der zahlreichen Studenten, die an den drei Universitäten und vielen Akademien studieren und die weder die finanziellen Mittel, noch die Absicht haben, in Wohneigentum zu investieren.

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Abgesehen von der Hauptstadt mit ihrer besonderen demographischen Struktur sieht es jedoch, was die durchschnittliche Eigentumsquote angeht, in ganz Ostdeutschland ähnlich bescheiden aus, denn hier gibt es überall mehr Mieter als Besitzer von Immobilien. Dass es in Deutschlands Osten statistisch gesehen durchweg mehr Mieter gibt als Eigentümer, hat historische und demnach auch politische Gründe. Die DDR hatte den Aufbau von Privatkapital erschwert, da nur wenige Bürger die Chance hatten, privates Vermögen durch Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, Gold und eben auch Immobilien zu bilden.

Der planwirtschaftlich gesteuerte soziale Wohnungsbau zu DDR-Zeiten (sozialistische Einheitswohnungen zum Mieten, auch liebevoll „die Platte“ genannt) war vorrangig, durch diesen haben sich individuelle Bauunternehmen nicht durchsetzen können und wurden kaum finanziert und organisiert. Da viele solcher Plattenbauten nach der Wiedervereinigung abgerissen wurden, sind die ehemaligen Mieter oft einfach umgezogen in neue, aktuellere Mietsiedlungen. Denn durch das jahrzehntelange Mieten hat sich eine psychologische Gewohnheit herausgebildet, die einer Konditionierung gleicht: die dauerhafte Formung von Verhalten.




Westdeutschland –Eigentümerregion und Investorenschwemme

Im Westen Deutschlands ist die Eigenheimquote mit 24 Prozent (München) bis 39 Prozent (Bremen) höher, auch wenn hier durchschnittlich höhere Quadratmeterpreise zu begleichen sind: die Devise der meisten Westdeutschen lautet, dass die Investition ins eigene Heim, selbst wenn sie hoch ist, sich auf lange Sicht immer rechnet.

Die Analyse des Immobilienportals zeigt jedoch auch, dass die unterschiedliche Verteilung von Wohneigentum in Ost und West eine zukünftige soziale Sprengkraft in sich birgt. Denn die Schaffung von eigenem Wohnkapital ist für viele Bürger ein wichtiger Pfeiler der Altersvorsorge: wer im Alter (mit tendenziell sinkender Rente) Miete zahlen muss, verringert seinen finanziellen Spielraum und hat sehr wenig Kaufkraft. Die rechtzeitige Investition in eigene Wohnimmobilien ist also eine probate Anlage-Strategie, um der drohenden Altersarmut zu entgehen.

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Zusammenfassung

Die Eigentumsquote an Immobilien ist in Deutschlands Westen erheblich höher als im Osten – im Osten wird traditionell mehr gemietet als gekauft, während es im Westen umgekehrt ist und sich die meisten Bürger um die Finanzierung des Wohneigentums bemühen. Dieser große Unterschied hat historische und politische Gründe. Doch die Spannung zwischen Ost- und Westdeutschland nimmt hier eine weitere Verstärkung, denn die niedrige Eigenheimquote im Osten kann in Zukunft die Altersarmut erhöhen.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch travelview
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