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Gibt es ein Recht auf günstige Mieten? Wie der Bau-Boom den Immobilienmarkt verändert

Redaktion 9. Oktober 2020
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Als Mieter ist man, gerade angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten und der oft unsicher gewordenen Einkommenssituation, vor allem an einem interessiert: der Warmmiete, und dem nach ihrem Abzug noch verbleibenden monatlichen Budget. Die drängende Frage, was nach nötigem Abzug von Miete und Nebenkosten „zum Leben“ übrigbleibt, beschäftigt alle Mieter – vor allem in den Städten und Ballungsgebieten, wo Mieten seit 2009 teils um 50 Prozent oder mehr gestiegen sind.

Andererseits sieht der interessierte Bürger heute mit Aufmerksamkeit und spannender Erwartung, dass die meisten deutschen Metropolregionen einen regelrechten Baum-Boom haben: Hunderte und Tausende neuer Apartments werden gerade geschaffen. Da stellt sich die Frage, ob die fieberhafte Bauaktivität der Städte und Stadtplaner in Deutschland nicht nur zu mehr Wohnungen, sondern auch zu deutlich günstigeren Mieten führen soll.

Denn ein übliches Gesetz der Marktwirtschaft wäre es, wenn eine Vergrößerung des Angebots eines Guts (hier: verfügbarer Wohnraum) zu einer Senkung des Preises (hier: der Mieten) führen würde. Doch eine aktuelle Analyse eines großen deutschen Immobilienportals zeigt, dass der aktuelle Bau-Boom durchaus nicht zu günstigeren Wohnungen führt – und es das „Recht“ auf preiswerte Mieten so nicht gibt.




Mehr Wohnungen bedeuten nicht günstigere Mieten

Der Bau-Boom zeigt es: ein Plus an Wohnungen bedeutet nicht automatisch eine Senkung der Mieten. In Frankfurt am Main wurde in den vergangenen Jahren so viel an Neubauten geschaffen, wie in keiner anderen Großstadt: rund 48 neue Wohnungen pro 1000 Einwohner sollten neue Möglichkeiten entspannten Wohnens garantieren.

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Allerdings ist der durchschnittliche Mietpreis pro Quadratmeter ist Frankfurt mit über 13 Euro noch immer drastisch gestiegen im Vergleich zu Mieten im Jahr 2009, als der Quadratmeter weniger als neun Euro kostete. Der Grund dafür ist, dass die einfache Gleichung „mehr Wohnungen = weniger Miete“ nicht aufgeht, da die akute Nachfrage trotz Vergrößerung des Angebots ebenfalls steigt – und auf Bauherrenseite statt in preiswerte oder soziale Wohnungen eher in teure Apartments investiert wird.

Es gibt kein „Recht auf preiswertes Wohnen“

Ein einklagbares „Recht“ auf preiswertes Wohnen gibt es für Mieter nicht – unabhängig davon, ob gerade zahlreiche Bauaktivitäten stattfinden, die jetzt und in Zukunft das Angebot verfügbarerer Wohnungen auf dem Markt vergrößern können. Wer sich also darauf berufen will, dass mehr Wohnungen in seinem unmittelbaren Umfeld existieren und vielleicht sogar längere Zeit leer stehen, und aufgrund dieser Argumentation eine Mietminderung durchsetzen will, kommt damit in rechtlicher Hinsicht nicht weit.

Die Angebotssituation auf dem Immobilienmarkt bestimmt ökonomisch den Preis und den Verkehrswert, dient aber nicht zur Rechtfertigung einer Senkung von Bestandsmieten. Allerdings haben die Städte und Kommunen in Deutschland mittlerweile Einsicht gezeigt für die Finanzverhältnisse gerade auch einkommensschwacher Mieter, und dementsprechend soziale Programme geschaffen. In München gibt es derzeit einen Preis-Rekord bei den Mieten für durchschnittliche Wohnungen (Zwei-Zimmer, Drei-Zimmer): 18,20 Euro beträgt dort der Mietpreis für einen Quadratmeter – 64 Prozent mehr als im Jahr 2009 und bundesweit Spitzenreiter.




Um das soziale Spannungsfeld zwischen Rekord-Mieten und Geringverdienern abzufedern, rief der Münchner Stadtrat das Programm „Wohnen in München IV“ ins Leben und verwirklichte die Idee des Konzeptionellen Mietwohnungsbau (KMB): wer als Bauherr den besten Antrag stellt, bekommt das Grundstück. Hinzu kommt im Raum München nun auch eine soziale Komponente: mindestens 60 Prozent der Wohnungen müssen an wirtschaftlich schwache Bürger vergeben werden, mit Erstvermietungspreisen bis höchstens 13,50 Euro je Quadratmeter und einer ersten Mieterhöhung nach frühestens fünf Jahren.

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Zusammenfassung

Der aktuelle Bau-Boom in zahlreichen deutschen Metropolregionen hat Tausende neuer Wohnungen geschaffen – und dennoch nicht die Höhe der Mieten gesenkt. Im Gegenteil: in Städten wie Frankfurt am Main und München sind Wohnungen seit 2009 um mehr als 50 Prozent im Preis gestiegen, und die Aufwärts-Tendenz hält an. Ein „Recht“ auf preiswertes Wohnen gibt es, trotz verfügbaren Wohnraums, nicht.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch PIXEL to the PEOPLE
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