LOADING

Type to search

Immobilienmarkt News

Wohnungskrise raffiniert gelöst: Mieter werden zu Käufern

Redaktion 20. Januar 2020
Beitrag teilen:

Seit dem Jahr 2015 nehmen die Schlagzeilen über den deutschen Wohnungsmarkt und dessen Teuerung zu: drastische Mietpreiserhöhungen in Stadt und Land, viele Mieterproteste und Initiativen von Vermietern, eine Verknappung von Wohnraum, sowie Willkür und der Ruf nach neuen Gesetzen, all dies ist mittlerweile zum Alltag geworden. Bleibt dem Mieter angesichts dieser Zustände nur noch die Resignation?

Eine Bürgerinitiative in Leipzig hat jetzt eine raffinierte Lösung gefunden, die völlig legal ist und Mietern mehr Freiraum gewährt: sie hat ein Haus gekauft und verwaltet es nun selbst. Ist das nur eine Einzel-Idee, die individuell und außergewöhnlich ist, oder ein Modell der Zukunft, das Vorbildcharakter hat? Wir haben nachgefragt, ob das Prinzip „Aus Mietern werden Käufer“, das in Leipzig offenbar tadellos funktioniert hat, auch für andere Menschen auf der Suche nach bezahlbarem und dauerhaft bewohnbarem Lebensraum eine gangbare Lösung sein könnte.




„Wolle 43“: Alternatives Wohnprojekt in Leipzig

In der Wolfgang-Heinze-Straße 43 in Leipzig nahe dem Connewitzer Kreuz, liebevoll „Wolle 43“ genannt, entsteht jetzt ein alternatives Wohnprojekt, das eine vorläufige Antwort auf die Mieterkrise sein soll. Verschiedene Ex-Mieter, die mit den steigenden monatlichen Belastungen und der Drohung einer Kündigung durch Eigenbedarf nicht mehr einverstanden waren, haben sich zusammengeschlossen und sich gemeinsam ein Haus gekauft.

Billig war es nicht: ein mittlerer sechsstelliger Betrag musste zum Kauf des schmucken Objekts gemeinsam aufgebracht werden, mangels Kapital wurden Kredite aufgenommen, und es gab zudem eine Förderung der Stiftung „trias“, die solche Projekte favorisiert. Sechzehn Menschen bewohnen nun das Gebäude, das noch großflächig renoviert werden muss, denn sein Zustand ist seit rund zwanzig Jahren unverändert und es gibt daher einen deutlichen Sanierungsstau in Bädern, Küchen und Wohnräumen.

Jetzt lesen :  Immobilienmarkt: Transaktionen weiter auf Rekordniveau

Doch man gibt sich zuversichtlich, alle Sanierungsschritte mit vereinten Kräften zu schaffen. Die neuen Eigentümer berichten stolz, dass das Haus nach 15 Jahren völligen Leerstands nun von ihnen gemeinsam gekauft und in vier Wohnungen zu je 100 Quadratmetern aufgeteilt wurde. Hierbei gibt es aber nicht nur preiswerten Wohnraum, sondern auch eine gewisse soziale Fürsorge, denn man passt aufeinander auf und will sich auch Aufgaben wie Kinderbetreuung teilen.




Machen kollektive Käuferinitiativen Schule?

Sind kollektive Aktionen wie „Wolle 43“ in Leipzig ein Vorbild für andere Städten und Gemeinden, in denen der Wohnraum ebenfalls knapp und teuer wird? Wenn ja, wird der Kapitalismus zumindest partiell durch gemeinschaftliche Initiativen überwunden, denn hier stehen nicht nur einzelne Mieter gegen Ex-Vermieter, sondern auch gewinnschöpfende Kapitalmodelle gegen gemeinschaftlich verwaltetes Eigentum. Eine der frischgebackenen Eigentümerinnen in „Wolle 43“ verkündet, der Mensch sei im Kollektiv immer stärker – eine politische Botschaft, die weit über den singulären Hauskauf hinausreicht.

Doch ist diese Botschaft konsensfähig für eine Gesellschaft, die doch viel stärker vom Individualismus als vom Kollektivismus geprägt ist? Noch ist es zu früh für eine Prognose, doch es lässt sich schon absehen, dass viele Mieter ihre Unzufriedenheit kreative umsetzen wollen, um neue Lösungen zu finden. Immer nur steigende Mieten zu zahlen und dennoch vom Rauswurf bedroht zu sein, ist für die meisten keine gute Zukunfts-Perspektive, mit der sie leben wollen und können.

Gerade vulnerable (verletzliche) Gesellschaftsgruppen wie Geringverdiener, Familien mit kleinen Kindern, Alleinerziehende  und Senioren wünschen sich einen Ausweg aus der Problematik am deutschen Immobilienmarkt mit seinen steigenden Mieten, und kollektive Zusammenschlüsse wie in Leipzig zum gemeinschaftlichen Erwerb von Häusern und Wohnungen könnten ein Modell sein, das Schule macht.

Jetzt lesen :  Mietendeckel – „gedeckelte“ Preise oder wirtschaftliche Fehlplanung?

Zusammenfassung

Gibt es eine Alternative zu der deutschen Mieten-Misere? In Leipzig-Connewitzer Kreuz haben sich nun Bürger zusammengeschlossen, um gemeinsam ein Haus zu kaufen und die Wohnungen zum Eigenbedarf gemeinschaftlich zu verwalten. Das Projekt „Wolle 43“ soll nicht nur bezahlbaren Wohnraum mit dauerhaftem Bleiberecht für die nun zu Eigentümern gewordenen Ex-Mieter schaffen, sondern zugleich auch ein antikapitalistisches Zeichen setzen gegen progressive Teuerung.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch Oliver Hoffmann
Beitrag teilen: