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Mietrecht Recht & mehr

Mietrecht bei Abwesenheit: Der Mieter muss zahlen

Redaktion 9. Oktober 2020
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Das Wohnen in Deutschland ist komplexer geworden, weil das Leben für viele Bürger komplexer geworden ist – und das betrifft nicht nur die oftmals veränderte Arbeits- und Einkommenssituation. Viele Mieter müssen aus beruflichen Gründen heute häufiger reisen oder die Wohnung für einige Tage, manchmal Wochen leer stehen lassen, oder sie pendeln regelmäßig zum Arbeitsplatz, sofern es noch Präsenzpflichten im Büro gibt.

Zuweilen ist die Wohnung aber auch zu klein, um Homeoffice durchzuführen, und man wohnt zeitweise bei Bekannten, wo mehr Raum zur Verfügung steht – das betrifft vor allem junge Arbeitnehmer. Andererseits leben in Deutschland auch immer mehr Menschen in einer Fernbeziehung und bringen einen Teil ihrer Zeit beim Partner zu, einen anderen Teil bei sich zuhause. Auf diese veränderten Lebensbedingungen kann der Wohnmarkt natürlich nicht mit der nötigen Flexibilität reagieren, da „Immobilien“ bereits im Begriff „unbeweglich“, also inflexibel, bedeuten.

Wer einen Mietvertrag hat und nicht beabsichtigt, ihn zu kündigen oder vom Vermieter gekündigt zu werden, muss seinen Mieterpflichten nachkommen, auch wenn er de facto nur selten zuhause ist. Auf diese Gesetzeslage hat neuerdings die bundesweit agierende Eigentümer- und Vermieter-Interessengemeinschaft Haus & Grund Deutschland hingewiesen.




Mieterpflichten bleiben bestehen

Wer laut Mietvertrag gebunden ist, muss diese Bindung respektieren, solange er dort wohnen bleiben will. Es ist gesetzlich unzulässig, dem Vermieter die Miete zu kürzen mit der Begründung, dass man nur wenige Tage pro Woche oder gar pro Monat in der Wohnung verbleibt. Denn die Nutzung der Wohnung durch den Mieter ist seine eigene Ermessenssache, sofern er seinen Pflichten nachkommt – er muss nicht ständig in der Wohnung leben.

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Dieser Passus des deutschen Mietrechts ist heute besonders wichtig, betont Haus & Grund, denn aufgrund der seit kurzer Zeit veränderten Arbeits- und Lebensbedingungen, die insgesamt mehr Flexibilität und daher für viele Mieter auch häufigere Abwesenheit von zuhause fordern, sind gerade in jüngster Vergangenheit zahlreiche Mieter dazu übergegangen, die Miete einfach willkürlich zu kürzen, mit der etwas naiven Begründung „ich bin ja selten da“.




Das ist aber rechtlich unzulässig und muss vom Vermieter nicht hingenommen werden, da die Vertragspflicht unabhängig von der Dauer des tatsächlichen Aufenthalts in der angemieteten Wohnung ist. Zusätzlich zur vollständigen Mietzahlung ist der Mieter verpflichtet, seine vertraglichen Pflichten zu erfüllen und zum Beispiel das Treppenhaus zu reinigen, regelmäßig zu lüften und anderes, damit die Hausordnung gewahrt bleibt und ein Schaden an der Wohnung vermieden wird.

Im Fall längerer Abwesenheit sollte ein Mieter sich mit anderen Bewohnern des Hauses abstimmen, ob diese vielleicht Pflichten übernehmen könnten. Denn kommt ein Mieter abwesenheitsbedingt dauerhaft seinen Pflichten nicht nach, kann der Vermieter ihn abmahnen und im Wiederholungsfall auch kündigen.

Die Gesetzeslage ist eindeutig

Wer von zuhause abwesend ist, kann nicht für entstehende Schäden garantieren – haften muss er jedoch. Entsteht zum Beispiel gerade in der kalten Jahreszeit ein Feuchtigkeitsschaden, weil der abwesende Mieter nicht heizen oder lüften kann, ist er dafür haftbar zu machen und muss sich an eventuellen Sanierungen beteiligen oder diese sogar selbst ganz übernehmen.

Diese Gesetzeslage ist aber keineswegs neu und wird von Haus & Grund lediglich zur Illustration der bestehenden Verhältnisse herangezogen, denn aktuell besteht wieder eine Unklarheit bei der Zuständigkeit von Mietern und Vermietern im Haftungsfall. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte bereits 1971 festgelegt, dass Mieter für etwaige in ihrer Abwesenheit entstehende Schäden am Gebäude Haftung tragen (Az.: VIII ZR 164/70).

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Zusammenfassung

Wenn ein Mieter seine Wohnung nicht bewohnt, muss er weiterhin Miete zahlen, sofern er nicht selbst kündigt – und auch mieterseits Sorgfaltspflichten wie die regelmäßige Säuberung des Treppenhauses bleiben bestehen. Auf diese rechtliche Tatsache wies aus aktuellem Anlass der Eigentümerverbund Haus & Grund Deutschland hin, der auf die veränderte Lebenssituation vieler Mieter reagiert, die räumliche Flexibilität verlangt, und Vermietern verdeutlicht, dass auch ihre Rechte gewahrt bleiben.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch one photo
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