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Mietrecht Mietwohnung

Mietrecht: Wer muss für Bodenschäden zahlen

Wohnungsmarkt24 24. April 2018
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Grundsätzlich fällt der Boden in einer Mietwohnung in den Zuständigkeitsbereich des Vermieters. Allerdings kann unter bestimmten Umständen auch der Mieter zur Kasse gebeten werden, wenn er ausgetauscht oder repariert werden muss.

Normale Gebrauchsspuren sind Sache des Vermieters

Erst kürzlich dachte ein Vermieter wohl, dass es durchaus einen Versuch wert sei, dem vorherigen Mieter nach dessen Auszug eine Rechnung in Höhe von gut 3600 Euro für die Erneuerung des Fußbodens zuzuschicken. Das Parkett musste abgeschliffen und neu versiegelt werden, weil es stumpf geworden war und an einigen Stellen Kratzer hatte. Auch ein Wasserfleck unter der Heizung war sichtbar. Das Landgericht Osnabrück entschied jedoch, dass der Wohnungseigentümer dem ehemaligen Mieter die dafür entstehenden Kosten nicht in Rechnung stellen dürfe. Die Schäden seien durch die übliche Wohnungsnutzung entstanden. Das Parkett war bereits zehn Jahre alt, sodass derartige Gebrauchsspuren normal seien. Auch der Wasserfleck musste auf Kosten des Vermieters beseitigt werden, weil er durch ein Leck im Heizkörper entstanden war. Solche Defekte sind ebenfalls Sache des Eigentümers.




Der Fall, der in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ dargestellt wird, steht stellvertretend für einen Konflikt, den es zwischen Vermietern und Mietern sehr häufig gibt. Der Grund: Der Vermieter ist grundsätzlich für den Boden in der Wohnung verantwortlich, weil die Kosten für die Abnutzungen, die im Laufe der Jahre unvermeidbar sind, bereits durch die Miete abgegolten sind. Eine Ausnahme stellen Schäden dar, die nicht durch den normalen Verschleiß entstanden sind. Wenn der Mieter solche Schäden zu verantworten hat, muss er dafür auch haften. Im Einzelfall ist es aber ziemlich schwierig herauszufinden, welche Beschädigungen unter den üblichen Verschleiß fallen und wann sie durch die übermäßige Beanspruchung der Mietwohnung entstanden sind. Mit dieser Frage müssen sich daher oft die Gerichte beschäftigen.

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Für unverhältnismäßige Schäden muss der Mieter aufkommen

So ist es beispielsweise eindeutig, wenn durch eine Party Rotweinflecken oder Brandlöcher im Teppich entstanden sind. Aber auch Dellen im Parkett, die durch High Heels verursacht wurden, gehören zu den Beschädigungen, die nicht zu den normalen Abnutzungserscheinungen zählen. Dementsprechend muss der Mieter für die Reparaturkosten aufkommen, wenn der Vermieter nach dem Auszug eine Firma beauftragt, um den Boden instandzusetzen. Alternativ kann der Mieter die Spuren selbst beseitigen oder beseitigen lassen.




Nicht ganz so klar ist der Fall, wenn Haustiere Beschädigungen am Boden hervorrufen. Strittig ist beispielsweise, ob es zur üblichen Abnutzung gehört, wenn Hundekrallen Kratzer im Parkett hinterlassen. So entschied zum Beispiel das Landgericht Koblenz vor einiger Zeit, dass der Hund nur in Räume gelassen werden dürfe, in denen kein Parkett verlegt ist. Alternativ könne der Hund auch Hundesocken tragen. Dies gelte auch dann, wenn der Vermieter der Hundehaltung grundsätzlich zugestimmt hat. Anders urteilte das Amtsgericht Köpenick: Es befand, dass Krallenspuren zur üblichen Abnutzung gehören, sofern der Vermieter die Haltung von Hunden erlaubt hat.

Oberflächliche Kratzer werden auf Kosten des Vermieters beseitigt

Alle Spuren, die im normalen Wohnalltag unvermeidlich sind, muss generell der Vermieter beseitigen. Oberflächliche Kratzer entstehen im Alltag zwangsläufig. Das befand auch das Amtsgericht Frankfurt am Main. Deshalb müssen Mieter sich beim Auszug nicht um solche Schäden kümmern. Das gelte auch für weitere alltägliche Gebrauchsspuren wie etwa:

  • Kleinere Schleifspuren
  • Kleine Dellen, die zum Beispiel durch herunterfallendes Geschirr entstehen
  • Farbunterschiede im Teppich, die dadurch zustande kommen, dass ein Möbelstück viele Jahre lang an der gleichen Stelle stand

Mietrecht: Worauf ist zu achten? Der Vermieter ist grundsätzlich für den Boden in der Wohnung verantwortlich, weil die Kosten für die Abnutzungen, die im Laufe der Jahre unvermeidbar sind, bereits durch die Miete abgegolten sind.

Nichtsdestotrotz hat der Mieter die Pflicht, sich während seiner Mietzeit bestmöglich um die Bodenpflege zu kümmern. Mit empfindlichen Holzdielenböden etwa muss der Mieter besonders sorgsam umgehen. Ob der Mieter weitere Arbeiten an den Dielen übernehmen muss, hängt vom Mietvertrag ab. Wenn dort wirksam vereinbart ist, dass der Mieter bestimmte Schönheitsreparaturen übernehmen muss, ist das durchaus möglich. Im Rahmen der Schönheitsreparaturen ist es etwa notwendig, dass der Mieter abgeschliffene und versiegelte Dielen regelmäßig grundreinigt. Das erneute Abschleifen und das anschließende Versiegeln gehört dann aber nicht zu den Schönheitsreparaturen. Anders verhält es sich, wenn es sich um gestrichene Dielen handelt. Diese müssen, sofern es erforderlich ist, auch neu gestrichen werden.



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Zusammenfassung

Normalerweise müssen Bodenschäden auf Kosten des Vermieters beseitigt werden, sofern die Beschädigungen durch die vertragsmäßige, gewöhnliche Nutzung der Wohnung entstanden sind. Anders verhält es sich bei Bodenschäden, die aus dem unverhältnismäßigen Gebrauch der Mietsache resultieren, wie etwa bei Brandlöchern nach einer Party, denn dann haftet der Mieter selbst.

Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch Patryk Kosmider
Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch Andrey_Popov