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Mikroapartments als Kapitalalternative

Redaktion 30. Mai 2019
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Sie sind für Geschäftsleute gedacht, die berufsbedingt nur ein paar Monate in einer Stadt verbringen: Mikroapartments. Immer mehr Immobilienmakler bieten sie Kapitalanlegern an, die wegen des hohen Mietpreises eine verlockende Rendite wittern. Doch Experten warnen: Das Konzept hat auch Nachteile!

Kleinstwohnungen ganz groß: Überall wird gebaut!

In Zeiten des Wohnungsmangels wächst ein Trend auf dem Immobilienmarkt immer mehr. Mikroapartments sind in der Regel zwischen 15 und 35 Quadratmeter groß, möbliert und haben nicht selten einen Quadratmeterpreis ab 20 Euro. Das Angebot richtet sich an Geschäftsleute, Wochenendpendler, Studenten und Projektarbeiter, die nur einige Monate in einer Stadt unterkommen müssen. Große Konzerne sind eine Zielgruppe für die Investoren. So sicherten sich jüngst die Deutsche Bahn oder die Europäische Zentralbank Wohnungen für ihre Beschäftigten. Doch auch private Kapitalanleger lockt diese neue Wohnform.

Frankfurt, Dortmund, München und Berlin – überall entstehen derzeit nicht nur gängige Mietwohnungen, sondern auch eine große Anzahl dieser Mikroapartments. In Dortmund wird zwischen den Westfalenhallen im angesagten Kreuzviertel derzeit beispielsweise solch ein Projekt realisiert. Neben 222 Mietwohnungen sind auch 365 möblierte Mikroapartments im Bau. In Berlin sollen schon bald an der Braunschweiger Straße in Neukölln 149 Mikroapartments hervorgebracht werden – allesamt Eigentumswohnungen für Kaufinteressenten, bezugsfertig mit Wunschmöblierung Ende 2020 oder Anfang 2021. Laut der Morgenpost sind hier schon 40 Prozent der Wohnungen verkauft.



Privatanleger: Warnungen nicht ignorieren

Denn nicht nur große Konzerne haben den Trend der Mikroapartments für sich entdeckt. Auch Privatanleger lockt diese Kapitalanlage wegen der höheren Quadratmeterpreise. Denn mit der Nachfrage steigt auch der Preis – und damit der Ertrag für den Vermieter! Mikroapartments haben einen entscheidenden Vorteil: Da sie möbliert sind, gelten weder Mietspiegel noch Mietpreisbremse. Zudem ermöglicht die hohe Fluktuation der Mieter auch eine häufigere Anpassung des Mietpreises entsprechend dem Markt. So steigen die Mieten hier bereits mancherorts über 35 Euro pro Quadratmeter. Das lockt vielen Neu-Immobilienbesitzer mit mittlerem Einkommen.

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Doch Vorsicht! Immobilienexperten warnen: Nicht überall erfüllt sich auch die mögliche Rendite. Während es in Geschäftsvierteln in München und Frankfurt einen hohen Bedarf an diesen Kleinstwohnungen gibt, lohnt sich die Kapitalanlage in Leipzig und Magdeburg beispielsweise nicht wirklich. Denn hier sind noch genügend Alternativen zur Verfügung.

„Das wird nicht funktionieren, weil es in Magdeburg ein großes Angebot an günstigem Wohnraum gibt“, verkündet Jens Rautenberg, Geschäftsführer des Immobiliendienstleisters Conversio der Zeitung „Die Welt“. Er sieht sogar einen Quadratmeterpreis von 15 Euro für ein Mikroapartment in Magdeburg als unrealistisch an. Bei anderen Standorten sei zudem die Lage oft ein Grund, besser nicht zu investieren: „Manchmal wird das Produkt Mikroapartment von Projektentwicklern missbraucht, indem sie damit schwierige Grundstücke beispielsweise an Ausfallstraßen oder Bahntrassen beplanen, für die jahrelang keine Nutzung gefunden wurde“, erläutert Rautenberg gegenüber der „Welt“. Zudem sei zu bedenken: Entspannt sich der Immobilienmarkt, würde die Nachfrage nach diesen Objekten wieder sinken. Die Preise würden fallen!



Für den Wohnungsmarkt nicht förderlich

Der Trend zu den Kleinstwohnungen ruft weitere Kritik hervor: Sie würden Familien aus dem Stadtbild verdrängen. Laut der „WAZ“ sieht Knut Unger vom „Mieterverein Witten und Umgebung“ die Innenstädte „für die ansässige Bevölkerung mit normalen und niedrigen Einkommen unerschwinglich“, würden sich die Mikroapartments vermehren. Die Stadt Dortmund sieht die Kleinstwohnungen jedoch als „Nischenprodukt“.

Anwohner protestierten ebenso. In Berlin haben Nachbarn des Grundstücks in Neukölln vor einigen Tagen ein Protest-Picknick veranstaltet. Ein Park oder sozialer Wohnraum wäre hier willkommener. Stattdessen verursachen die Mikroapartments in der Nachbarschaft die Angst vor der Gentrifizierung – ihre Verdrängung durch wohlhabendere Bevölkerungsschichten.

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Zusammenfassung

Mikroapartments sind absolut im Trend und locken immer mehr private Anleger zum Kauf. Doch Vorsicht: Nicht überall ist die versprochene Rendite erreichbar!




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch Dariusz Jarzabek
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