LOADING

Type to search

Immobilienmarkt News

Frankfurt am Main baut – und wer zieht ein?

Redaktion 28. Oktober 2020
Beitrag teilen:

Frankfurt am Main ist eine Messestadt, eine Bankenstadt, eine Goethestadt, eine Uni-Stadt, eine Stadt der Schickeria – und nicht zuletzt auch eine Neubautenstadt. Denn die Bauaktivitäten in der Metropole am schönen Main sind immens gestiegen und werden in naher Zukunft das traditionell gewohnte Stadtbild erheblich verändern und gleichsam um mehrere Etagen aufstocken. Denn die Immobilien-Devise lautet hier: größer, besser, höher.

Auf der Website Skylineatlas, welche neue Bauvorhaben in deutschen Metropolen analysiert, finden sich Angaben über 34 neue Hochhäuser, die in Frankfurt derzeit gebaut werden, insbesondere im Messeviertel – eine stolze Anzahl. Doch aktuell macht in diesem Zusammenhang ein bestimmtes Frankfurter Großprojekt von sich reden, das im Herzen des Bankenviertels angesiedelt wird: die vier massiven Hochhäuser mit dem Projektnamen „Four“, die über 600 Wohnungen schaffen sollen.

Doch nicht nur Anwohner fragen sich: wer zieht überhaupt ein in die schicken neuen Hochhäuser? Oder ist hier nicht gerade eine Immobilien-Blase in der Entstehung zu sehen, die bald platzen wird? Ein kritischer Blick auf die Frankfurter Neubauten-Szene.




Die Miet-Misere in der Messestadt

Die Main-Metropole ist aktuell ein teures Pflaster für Mieter, zeigt der Mietspiegel: 10,85 Euro pro Quadratmeter Wohnraum, ähnlich wie in Stuttgart und München, sind hier keine Seltenheit, Mieten bis 15 Euro pro Quadratmeter sind in Spitzenlagen üblich. Doch aktuell gibt es ein Bauprojekt, das vielen Bürgern die Köpfe verdreht – und besorgte Fragen offenlässt, denn vielleicht wird hier die Miet-Misere gelöst, vielleicht ist jedoch auch gerade ein neues Problem am Entstehen.

Jetzt lesen :  Wie die Krise den Wohnungsmarkt umstrukturiert: Die Gewinnertypen unter den Immobilien

Die Rede ist von dem ambitionierten Großbau-Projekt „Four“ mitten im Frankfurter Bankenviertel. Dort, wo früher die Zentrale der Deutschen Bank (DB) und der repräsentative Hermann-Josef-Abs-Saal waren, entstehen jetzt vier Hochhäuser mit bis zu 59 Stockwerken und 233 Meter Höhe. Selbst für Frankfurter Verhältnisse an Architektur, welche sich schon längst als „Mainhattan“ bezeichnen lassen, sind solche Großbau-Projekte ehrgeizig. Neben Büroflächen sollen auch 600 Wohnungen entstehen, zwei Hotels sowie ein Kindergarten und viele Geschäfte, was zu einer „Bereicherung der Innenstadt“ sorgen soll, wie Jürgen Groß, der Projektentwickler, verspricht.




Notstand trotz massiver Neubau-Unternehmen

Die Situation in Frankfurt ist dramatisch, denn hier konzentrieren sich zurzeit extrem hohe Hoffnungen auf einen Boom des Baugewerbes – und auf der anderen Seite eine extrem hohe Risikobereitschaft der Investoren. Denn die Corona-Pandemie hat uns gelehrt, dass übliche Investoren-Standards bei Immobilien-Vermietung nicht mehr gelten. Zwei Beispiele sollen das illustrieren: Gewerbeimmobilien galten Investoren und Anlegern jahrzehntelang als „safe bet“, als eine sichere Kapitalanlage, denn die Rendite-Erträge waren durchgängig hoch.

Büroflächen brauchte man einfach immer, unabhängig von der Konjunktur, und deshalb florierte das Geschäft mit Büroflächen, Lagerhallen und Verkaufsräumen. Doch aktuell hat sich gezeigt, dass die neuen Arbeitstrends Home-Office und Space-Sharing andere Verwertungen von früheren Gewerbeimmobilien erfordern – oder diese leer stehen lassen. Durch die vom Verbraucher verstärkt genutzte Möglichkeit des globalen Online-Shoppings werden zudem zunehmend Lagerräume im Inland obsolet.

Zweites Beispiel: Hotels und Gaststätten gehörten 2020 zu den Verlierern im Immobilien-Roulette, die am wenigsten Rendite einbrachten, Leerstand oder sogar Schließung zeitigten – obwohl sie jahrzehntelang, ähnlich wie Büroimmobilien, zu den sichersten Anlagen überhaupt gehörten. Vor dem Hintergrund dieser aktuellen Erkenntnisse zweifeln auch Experten, ob sich der Bau-Boom in Frankfurt mit einem Nachfrage-Anstieg verbinden lässt – oder ob ambitionierte Großprojekte wie das „Four“ im Bankenviertel kostspielige Attrappen des Leerstands werden.

Jetzt lesen :  Richter entscheiden: Grundsteuer für Immobilien ist verfassungswidrig

Zusammenfassung

Frankfurt am Main baut – und insbesondere das Großprojekt „Four“, welches vier 233 Meter hohe Wohntürme mitten im Frankfurter Bankenviertel beinhalten soll, ist derzeit ein ehrgeiziges Vorzeige-Projekt der Stadt-Innovation. Doch hält es wahrscheinlich auch, was es verspricht? Kritiker sehen aktuell ein Problem in der avisierten Nutzung der über 600 Wohnungen, die mit diesen Neubauten geschaffen werden sollen, sowie der geplanten Nutzung von Flächen für Hotels, Gaststätten und Büros, denn gerade diese traditionellen Immobilien-Nutzungen sind seit Corona drastisch reduziert.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch Unkas Photo
Beitrag teilen: