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Mietrecht Recht & mehr

Reparaturen beim Umzug: Was muss der Mieter zahlen – was kann er selbst übernehmen?

Redaktion 22. Januar 2021
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Viele Mieter werden in diesem Jahr umziehen – aus aktuellen Gründen oder aus einer persönlichen Bedarfslage heraus. Doch bevor die neue Mietwohnung betreten werden kann, muss die alte Mietwohnung besenrein und im vertragsgemäßen Zustand an den Vermieter übergeben werden. Oft ist das Reinigen kein Problem, doch die Wohnung hat während der Mietdauer ein paar kleinere Schäden und Blessuren abbekommen: Kratzer im Laminat, Bohrlöcher in der Wand, Risse in der Spüle.

Hierbei scheiden sich jedoch die Geister: wer übernimmt kleinere Reparaturen? Muss der Mieter alles zahlen, gibt es den Grundsatz der Selbstverursachung, kann, darf oder muss der Vermieter vielleicht auch Kosten übernehmen? Der Paragrafendschungel zum neuen Mietrecht wirkt undurchdringlich, und viele Mieter sind unsicher. Ein aktueller Hinweis vom Mieterschutzbund zusammen mit einigen in der Praxis erprobten Do-it-yourself-Tipps für auszugswillige Mieter, die rechtlich auf Nummer Sicher gehen wollen.



Der Mieterschutzbund informiert über die Rechtslage

Anja Franz vom Mieterverein München rät, Mietern vor der Übernahme irgendwelcher Reparaturen erst den Mietvertrag genau zu studieren. Dort ist in der Regel exakt angegeben, ob Schönheitsreparaturen vom Mieter zu übernehmen sind. Grundsätzlich müssen Mieter nur Schäden übernehmen, die sie selbst verursacht haben. Klassischer Fall: der Mieter will seinen falschen Picasso an der Wand aufhängen und findet die optimale Stelle nicht, er braucht daher siebzehn Bohrlöcher, bis das gute Stück perfekt an der Wand hängt.

Dadurch wird die Wand natürlich verunstaltet, und die Bohrlöcher muss er selbst überspachteln vor dem Auszug. Oder ein ähnlicher Fall klassischer Selbstverursachung: der Mieter will seine Wäsche bügeln und wirft aus Versehen das schwere Bügeleisen vom Bügeltisch, es fällt auf den Holzboden und Latten splittern ab. Auch hier muss der Verursacher den Schaden im Parkett selbst beheben vor einem Auszug. Schwieriger sieht es bei Schäden aus, deren Selbstverursachung durch den Mieter fraglich ist, etwa bei Wasserflecken, die durch eine undichte Stelle in der Wand entstanden sind.

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Hierbei könnte der Vermieter allerdings monieren, dass ihn diese Schäden nicht rechtzeitig gemeldet worden sind, bevor der Schaden sich vergrößert hatte, und dem Mieter eine Teilschuld geben, die zu einer Teilübernahme von Kosten führen kann. In einem Zweifelsfall, rät der Mieterschutzbund, sollte der Mieter mit dem Vermieter stets sachlich um eine Einigung verhandeln, sowohl, was die Verursachung angeht, als auch, was die Kostenübernahme oder eventuell ein Kostensplitting betrifft.




Do-it-yourself: Kleinreparaturen leicht gemacht

Wenn die Beschädigungen in der Wohnung eindeutig selbst verursacht sind, besteht kein Zweifel: der Mieter muss für Abhilfe sorgen und den Ist-Zustand bei seinem Einzug wiederherstellen. Bevor nun aber horrende Handwerkerkosten entstehen, darf der Mieter nach seinem Ermessen selbst Hand anlegen und Reparaturen ausführen. Sofern diese ordentlich gemacht werden, gibt es kein Recht des Vermieters, zusätzlich noch einen Handwerker auf Kosten des Mieters zu beauftragen.

Doch wie sieht eine ordentliche, also professionell anmutende Sanierung von Schäden in der Mietwohnung aus? Man kann sich Anregungen in Do-it-yourself-Magazinen oder Youtube-Kanälen für Heimwerker holen. Bohrlöcher in der Wand zum Beispiel lassen sich durch etwas Fertigspachtel schließen; optisch angeglichen werden die Stellen nach der Trocknung durch einen kleinen Überstrich in der geeigneten Farbe. Kratzer im Laminat lassen sich mit etwas Lack oder speziellen Wachsen in der passenden Farbe (erhältlich im Baumarkt) schließen.

Schwieriger ist es bei Schäden in Echtholz: hier raten einige Experten, das Holz mit etwas Wasser anzufeuchten, damit die Fasern aufquillen und sich wieder in Form pressen lassen, indem man dann einen schweren Gegenstand darauflegt. Ein anderes Problemfeld in der Wohnung ist oft das Bad: tropfende oder verstopfte Wasserhähne lassen sich oft reparieren, indem der Perlator (Aufsatz auf dem Wasserhahn) entfernt und ausgetauscht wird.

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Zusammenfassung

Wenn ein Mieter aus- und umziehen will, gibt es vor Verlassen der Wohnung oft noch kleinere Reparaturen zu erledigen. Hierbei gibt es keine rechtliche Verpflichtung, zwingend einen Handwerker zu beauftragen, sofern es keine Sanierungsprobleme sind, die Spezialwissen voraussetzen oder einen größeren Umfang haben. Etliche Kleinreparaturen können auch vom Mieter selbst übernommen werden, was in vielen Fällen kostengünstiger ist – und ähnliche Wirkung entfalten kann.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch Benoit Daoust
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