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Immobilienmarkt

Studie: Steigende Immobilienpreise haben sozialspaltende Auswirkung

Redaktion 26. Juni 2019
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Es scheint wie eine Schallplatte mit einem Sprung: Trotz verschiedener Maßnahmen ist kein Ende des Anstiegs für Kauf- und Mietpreise auf dem angespannten deutschen Immobilienmarkt in Sicht. Experten rechnen mit weiteren Preiserhöhungen, wie kürzlich vorgelegte Studien und Umfragen zeigen. Doch die Auswirkungen gehen inzwischen weiter. Die Rekordpreise haben weitere, schwerwiegende soziale Folgen.




Kauf- und Mietpreise steigen im nächsten Jahr weiter

Eine erstmals realisierte bundesweite Umfrage des Schweizer Beratungsunternehmens Fahrländer Partner Raumentwicklung (FPRE) ist eine der jüngsten Studien mit dem gleichen Ergebnis zahlreicher anderer Untersuchungen der letzten Jahre: Die Experten erwarten für die kommenden zwölf Monate weiter ansteigende Kaufpreise in ganz Deutschland fürs Wohnen. Vor allem die Preise für Einfamilienhäuser sehen die Experten weiter nach oben klettern, gefolgt von den Eigentumswohnungen.

Jedoch herrscht bei dieser neusten Umfrage nicht immer Einigkeit. Vor allem in Bayern sehen die Experten unterschiedliche Tendenzen: 26 Prozent erwarten sogar sinkende Preise, während 67 Prozent vom Gegenteil ausgeht. „Diese Erkenntnis trifft auch bei allen anderen Segmenten zu und deutet auf starke regionale Unterschiede hin“, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens.

Insgesamt wurden 531 Marktteilnehmer aus allen Bundesländern im Frühling befragt.

Nun folgen auch die mittelgroßen Städte mit Rekordniveaus

Doch die Preisanstiege scheinen nun auch weitere Entwicklungen nach sich zu ziehen. So folgen nun auch die mittelständischen Städte den großen Metropolen wie Hamburg, Berlin und München. Die Studie „Süddeutsche Wohnungsmärkte: Daten & Perspektiven 219“ von Wüest Partner Deutschland zeigt, dass sich die höchsten Mietanstiege demzufolge in die Mittel- und Kleinstädte verlagert.

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Dies betreffe beispielsweise Aalen, Sindelfingen, Ludwigsburg, Villingen-Schwenningen, Neu-Ulm und Schweinfurt. Hier sei ein Mietwachstum von 25 Prozent und mehr festgestellt worden – während der Mietpreisanstieg in den großen Metropolen darunter liegt. So sind die Mieten in Aalen um 29 Prozent gestiegen, in Augsburg um 28,6 Prozent, während Münchens Anstieg nur 19,5 Prozent betrage. Auch Stuttgart habe mit 22,8 Prozent einen geringeren Anstieg als die Mittelstädte.

Deutlicher zeige sich dies sogar bei den Kaufpreisen. Während in München in den letzten Jahren ein Anstieg von 33 Prozent der Preise für Immobilien zu verzeichnen war, so übertrifft das Schweinfurt mit 76 Prozent deutlich. Augsburg, Reutlingen und Villingen-Schwenningen haben einen Anstieg von 50 Prozent vorzuweisen. Die Studie zeigt zudem, dass gerade die Städte mit hohen Preissteigerungen eine geringe Baufertigstellungsquote ausweisen. So seien in Ludwigsburg nur sechs Prozent der gebrauchten Neubauten errichtet worden, in Sindelfingen waren es elf Prozent.

Immobilienboom trennt „arm“ weiter von „reich“

Zudem haben Wissenschaftler der Universität Bonn nun herausgefunden, dass dieser angespannte Immobilienmarkt die deutsche Gesellschaft immer weiter in „arm“ und „reich“ spaltet. Während viele Deutsche mit den hohen Mieten kämpfen, wird eine Minderheit immer reicher: Zehn Prozent der reichsten Bürger können die Hälfte aller Vermögenszuwächse einstreichen, während 20 Prozent der Deutschen mit dem niedrigsten Einkommen rund 40 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben müssen. „In den Städten sind die Mieten dort am stärksten gewachsen, wo Einkommensschwache leben“, beklagt Ökonom Moritz Schularick mit seinen Kollegen.

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Die Wissenschaftler warnen vehement: Wenn nicht mehr Wohnungen entstehen, würde sich diese Entwicklung weiter verschärfen. „Bei jetziger Bautätigkeit werden bis 2030 eine Million Wohnungen fehlen, davon ein Drittel in den sieben größten Städten. Die soziale Sprengkraft dürfte erheblich sein“, warnt Schularick.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch Kanjana Kawfang
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