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Arbeiten, um zu mieten: Wenn das ganze Gehalt fürs Wohnen verbraucht wird

Redaktion 6. Dezember 2019
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Dass das Wohnen in Deutschland immer teurer wird, ist eine Erkenntnis, die im Jahr 2019 fast so banal erscheint wie die Tatsache, dass die Woche sieben Tage hat. Leider ist die drastische Steigerung der Mieten in den meisten deutschen Städten, und insbesondere den Metropolregionen, so alltäglich geworden, dass es zu einer wenn auch unangenehmen Selbstverständlichkeit gehört.

Neuere Analysen der Wohnungsmarkt-Situation in Deutschland zeigen jetzt, wo das Wohnen besonders kostspielig ist – gleichsam ein Deutschland-Atlas für Mieten. Hierbei wird die durchschnittliche Miete in ein Verhältnis zum durchschnittlichen Nettoeinkommen gesetzt. Dabei zeigt sich, dass Menschen in Ballungsgebieten praktisch die Hälfte, manchmal zwei Drittel ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Diese Situation bleibt nicht ohne Folgen, auch nicht für die Volkswirtschaft.




Unverhältnismäßig hohe Mieten sorgen für sinkende Kaufkraft

Wer mehr als 30 oder sogar 50 Prozent seines Einkommens nur für die monatliche Miete ausgeben muss, hat ganz klar ein Problem – mit seiner Kaufkraft. Denn die durchschnittliche Kaufkraft deutscher Haushalte sinkt logischerweise in demselben Maße, wie die Mieten ansteigen und einen immer größeren Posten des monatlichen Budgets ausmachen.

Die Folge ist auch, dass Gebrauchsgüter durchweg weniger konsumiert werden und bei allen Artikeln, von Lebensmitteln über Genussgütern bis Kleidung, zunehmend mehr auf den Preis geachtet wird. Die steigenden Mieten und die dadurch sinkende Kaufkraft vieler deutscher Haushalte sorgen dafür, dass Billig-Angebote im Handel bei fast allen Warengruppen ein immer breiteres Segment ausmachen. Die Großhändler freut diese Tendenz zum Sparen als Breitensport, doch die Fachgeschäfte, Einzelhändler und Handwerker, die mit den Angeboten der Discounter nicht konkurrieren können, werden massiv unter Druck gesetzt.

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Und nicht zuletzt ärgert sich der deutsche Michel, wenn er von seinem hartverdienten Gehalt nach Abzug der Miete nur noch ein Taschengeld übrig hat. Diese Misere ist sehr verbreitet: aktuellen Studien zufolge betrifft die Budget-Schieflage schon jeden dritten Bürger, in Ballungsgebieten weitaus mehr.




Hier ist das Wohnen in Deutschland besonders teuer

Schwarze Landkarte für das Mieterglück: bundesweite Analysen der Marktlage im Immobiliensektor zeigen, wo das Wohnen in Deutschland jetzt besonders teuer ist. Auffällig kostspielig für Mieter sind die Ränder der Republik, der hohe Norden und der schicke Süden. Auf der Insel Sylt kosten 60 Quadratmeter 780 EUR – kalt. Diese Kaltmieten führen dazu, dass sich gerade Geringverdiener die Insel der Schönen und Reichen bald nicht mehr leisten können und abwandern.

Das bedeutet jedoch auch: die Infrastruktur der Urlaubs-Insel, die auch und gerade von Geringverdiener-Jobs in der Gastronomie und im Hotelwesen abhängig ist, ist im Wandel begriffen und wird sich bald merklich verändern. Ähnlich fatal sind die Verhältnisse auch im Süden der Republik: in München müssen Geringverdiener im Schnitt 53 Prozent ihres Gehalts für die Miete ausgeben. Grundsätzlich sind die großen Städte wie München, Hamburg, Stuttgart, Berlin und Frankfurt immer teurer, auch und gerade bei den kleineren Wohnungen, die sich Geringverdiener meistens mieten. Denn hier machen Vermieter im Durchschnitt die besten Geschäfte, da die Quadratmeterpreise bei den kleineren Wohnungen relativ gesehen höher sind und diese Wohnungen daher mehr Rendite abwerfen.

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Des einen Freud, des anderen Leid: Geringverdiener stehen auch innerhalb der Rangordnung von Mietverhältnissen an der letzten Stelle. Viele ziehen aufs Land, wo das Wohnen noch nicht die gesamten Einkünfte verschlingt. Doch auch in ländlichen Regionen nimmt der Preisdruck auf Mieter zu.

Zusammenfassung

Die Mieten in Deutschland sind in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen – so sehr, dass manche Haushalte mehr als die Hälfte, sogar mehr als zwei Drittel ihres zur Verfügung stehenden Einkommens an den Vermieter begleichen müssen. Besonders hart trifft die Situation die Geringverdiener, von denen Hunderttausende fast nur noch für die Miete arbeiten gehen. Folge: die Kaufkraft bleibt auf der Strecke, was auch volkswirtschaftliche Konsequenzen hat.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch PIXEL to the PEOPLE
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