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Wie reiche Chinesen den Wohnungsmarkt in Berlin verändern

Wohnungsmarkt24 2. Februar 2018
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Der Wohnungsmarkt in Deutschland und insbesondere in Berlin ist angespannt, denn deutsche Immobilien sind begehrt – aber nicht nur bei deutschen Käufern, sondern bei vermögenden Personen aus der ganzen Welt. Vor allem US-Amerikaner befanden sich bisher unter den Käufern. Aktuell zeichnet sich aber ab, dass noch eine weitere reiche Käufergruppe dazu kommt: Immer mehr Chinesen investieren Milliarden in deutsche Immobilien. Das bleibt gerade für den ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt in Berlin nicht ohne Folgen.

Wohlhabende chinesische Großanleger finden auf dem Berliner Wohnungsmarkt wahre Schnäppchen

Sowohl die vermögenden Menschen in China als auch die ausgeprägte Mittelschicht suchen nach passenden Anlagezielen. Allerdings werden sie in der eigenen Heimat oft nicht fündig, weil die Preise dort enorm in die Höhe gestiegen sind. Im Zentrum von Shanghai oder Peking zahlt man für Wohnungen über 10.000 Euro pro Quadratmeter. Für besonders luxuriöse Objekte werden 15.000 bis 18.000 Euro pro Quadratmeter verlangt. In deutschen Großstädten und insbesondere in Berlin warten im Vergleich dazu wahre Schnäppchen. Eine Tatsache, die die reichen Chinesen anlockt.

Dazu kommt noch, dass Deutschland in Fernost ohnehin einen ausgezeichneten Ruf genießt. Denn: Die Bundesrepublik steht bei chinesischen Immobilien-Investoren für politische Stabilität, eine starke Wirtschaft und Rechtssicherheit. In turbulenten politischen Zeiten um Trump und Brexit scheint Deutschland ein sicherer Hafen zu sein. Ausländische Käufer wissen zudem, dass die deutschen Mieter zum Großteil zuverlässig zahlen.




Immobilienspezialisten beobachten schon seit geraumer Zeit, dass Chinesen auf dem Wohnungsmarkt in Deutschland immer aktiver werden. Schuld daran sind auch die niedrigen Zinsen. Sie lassen Großanlegern keine andere Wahl, als Immobilien zu kaufen. Im Jahr 2017 kam jeder zweite Euro bei deutschlandweiten Immobiliendeals von mehr als zehn Millionen Euro von ausländischen Käufern. Das zeigte eine Studie vom „Verband deutscher Pfandbriefbanken“. Insgesamt waren es mehr als 59 Milliarden Euro, die in ganz Deutschland für Gebäude ausgegeben wurden. Das ist fast dreimal so viel wie noch sieben Jahre zuvor.

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Kleine, luxuriöse Wohnungen werden von chinesischen Käufern bevorzugt

Natürlich handelt es sich bei den Chinesen nur um eine weitere Käufergruppe. Trotzdem tragen sie maßgeblich dazu bei, dass die Nachfrage in Berlin und anderen deutschen Großstädten weiter zunimmt. Dabei haben sie nicht nur Luxus-Objekte im Visier, sondern kaufen auch am breiten Markt. Die Anfrage chinesischer Käufer hat sich in den letzten vier Jahren um mehr als das Doppelte erhöht. Dabei ist das Interesse an kleinen, aber luxuriös ausgestatteten Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen besonders hoch. Für diese liegen die Kaufpreise meist zwischen 250.000 und 400.000 Euro.

Wohnungen als Kapitalanlage in Berlin

Verschiedene Wohnungen werden in Berlin als Kapitalanlage gesucht

Die Investoren aus Fernost haben also hohe Ansprüche an deutsche Wohnungen. Damit beeinflussen sie auch den Markt für etwaige Neubauten. Hier besteht ohnehin schon länger das Problem, dass Neubauten auf wohlhabende Käufer ausgerichtet sind und eher weniger auf Normalverdiener. In vielen Ballungszentren werden daher kleine Wohnungen gebaut, die später für äußerst hohe Quadratmeterpreise verkauft werden.

Chinesen haben kein Vertrauen in die eigene Wirtschaft

Darüber hinaus gibt es noch einen anderen wichtigen Grund dafür, dass viele Chinesen im Ausland nach Anlageobjekten suchen. Das Vertrauen, das die Mittelklasse der boomenden Wirtschaft Chinas entgegenbringt, nimmt immer mehr ab. Deshalb wollen viele Anleger ihr Geld lieber sicher im Ausland investieren. Dieser Trend sorgt bereits dafür, dass es China seinen Einwohnern zunehmend schwer macht, Geld im Ausland anzulegen. So dürfen Chinesen höchstens 50.000 Dollar im Jahr in ausländische Währungen umtauschen. Deshalb tun sich oft mehrere Familienmitglieder zusammen, um Immobilien im Ausland kaufen zu können.




Die Kauflust der Chinesen kann durch derartige Hürden jedoch bisher kaum gebremst werden. Im Jahr 2016 legten chinesische Käufer eine Rekordsumme von 33 Milliarden Dollar in ausländische Immobilien an. Das waren über 50 Prozent mehr als noch im Jahr 2015. Dabei ist die Tendenz weiter steigend. Schätzungen zufolge werden im Jahre 2022 etwa 76 Prozent der Stadtbevölkerung Chinas zur Mittelschicht gehören – also über 550 Millionen Menschen. Viele von ihnen werden auf der Suche nach Anlageobjekten im Ausland sein, da es Familien in Shanghai und Peking nur erlaubt ist, eine einzige Immobilie für die Eigennutzung zu kaufen.

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Zusammenfassung

Wohlhabende chinesische Käufer verschärfen die Situation auf dem Wohnungsmarkt gerade in deutschen Großstädten wie Berlin weiter. Sie interessieren sich vor allem für kleine, aber luxuriöse Wohnungen. Damit kurbeln sie die Nachfrage weiter an und beeinflussen auch den Neubau von Wohnraum dahingehend, dass immer mehr kleine und teure Wohnungen gebaut werden.

Fotoquelle: shutterstock.com/de durch Sean Pavone

Fotoquelle: shutterstock.com/de durch SFC