LOADING

Type to search

Immobilienmarkt News

Zahl der Zwangsversteigerungen weiterhin niedrig

Redaktion 10. März 2020
Beitrag teilen:

Seit ungefähr einem Jahrzehnt erlebt der Immobilienmarkt einen regelrechten Boom. Die Nachfrage nach Wohnungen ist hoch, was im Umkehrschluss dazu geführt hat, dass die Anzahl der Zwangsversteigerung in den vergangenen Jahren immer weiter abnahm. Dieser Trend hat sich auch 2019 fortgesetzt. Manche Menschen fragen sich nun, ob sich die Lage mit der Konjunktur ändern könnte.




2019 standen in Deutschland wieder weniger Immobilien zur Zwangsversteigerung

Im vergangenen Jahr kamen in Deutschland erneut weniger Immobilien zur Zwangsversteigerung unter den Hammer als 2018. Schuld daran ist die Nachfrage nach „Betongold“, die weiterhin sehr hoch ist. So wurden 2019 insgesamt 17.614 Immobilien an den Amtsgerichten aufgerufen, die Verkehrswerte von 3,44 Milliarden Euro hatten. Dies geht aus den Recherchen vom Ratinger Fachverlag Argetra hervor.

Zum Vergleich: 2018 waren es noch 21.500 Grundstücke, Wohnungen und Häuser zum Verkehrswert von 3,85 Milliarden Euro. Allerdings wurden nur die Hälfte der eigentlich eröffneten Zwangsversteigerungsverfahren an den Amtsgerichten wirklich vollzogen. Im Schnitt konnte in jedem zweiten Fall vor der Versteigerung im Gericht noch ein Verkauf durch den Immobilieneigentümer erzielt werden.

Der Höhepunkt der Zwangsversteigerungen war 2005

Die Zahl der Zwangsversteigerungen in Deutschland sinkt schon seit rund zehn Jahren kontinuierlich, weil seitdem die Nachfrage nach Immobilien stetig wächst. Im Jahr 2005 lag der bisherige Höhepunkt: Damals gab es 92.500 Termine für Zwangsversteigerungen. Zu jener Zeit mussten jedoch noch häufig Folgetermine vereinbart werden, weil Immobilien nicht immer beim ersten Anlauf zum Mindestgebot verkauft werden konnten.

Jetzt lesen :  Immobilien – eine wertsteigernde Anlage?

Heute ist die Zahl der Folgetermine deutlich zurückgegangen. Die Verfahren sind wegen der Nachfrage meist kurz. Von 100.000 Haushalten waren im letzten Jahr im Durchschnitt 43 von einer Zwangsversteigerung betroffen. Im Jahr zuvor waren es noch 52. Besonders hoch war die Anzahl der Termine dabei in Sachsen-Anhalt mit 89, während es in Bayern nur 24 waren. Die Verteilung der Immobilien, die unter den Hammer kamen, gestaltete sich 2019 wie folgt:

  • 45 Prozent Ein- und Zweifamilienhäuser
  • 23 Prozent Eigentumswohnungen
  • 32 Prozent Gewerbeobjekte, Mehrfamilienhäuser, Grundstücke und Garagen

Dies verdeutlichen die Daten des Fachverlags.




Leichter Anstieg an Zwangsversteigerungen für 2020/2021 erwartet

Der Geschäftsführer von Argetra, Axel Mohr, geht davon aus, dass die Zwangsversteigerungen im Jahr 2020/2021 etwas ansteigen könnten. Den Grund dafür sieht er in den Stellenstreichungen, von denen gerade die Automobilindustrie betroffen ist. Wenn gute Jobs wegfallen, seien auch Immobilienbesitzer betroffen, die noch einen Kredit abzahlen müssen. Er sieht auch das Coronavirus als Faktor, weil den Unternehmen dadurch Zulieferteile fehlen könnten, sodass sie Kurzarbeit anordnen und vielleicht sogar Arbeitsplätze abbauen müssen.

Doch selbst wenn sich die Konjunktur weiter eintrüben sollte, erwartet Stefan Mitropoulos keinen Crash am Immobilienmarkt. Als Ökonom bei der Landesbank Helaba geht er eher von einer Normalisierung bis Abschwächung der Wachstumsraten aus. Seiner Meinung nach ist es denkbar, dass die heißeste Phase am Immobilienmarkt vorbei ist. Und tatsächlich: Blickt man auf die Deutschlands Vergangenheit zurück, stellt man fest, dass alle Immobilienzyklen der letzten Jahrzehnte durch eine Rezession beendet wurden.

Jetzt lesen :  Baugenossenschaft: Der neue Trend fürs günstige Wohnen in der Großstadt?

Kein Wunder, denn Einzelhandelsimmobilien hängen vom Konsum ab, Büros vom Arbeitsmarkt und Eigentumswohnungen von den Einkommenserwartungen. Wer davon ausgeht, dass die nächste Zeit wirtschaftlich schwierig wird, ist nicht bereit, sich stark zu verschulden.

2020: Wirtschaftlich schwaches erstes Halbjahr erwartet

Nachdem der Immobilienmarkt in den letzten 10 Jahren boomte und die Preise immer weiter stiegen, hatten viele Experten Sorge vor einer Blase am Wohnungsmarkt in Deutschland. Die Bundesbank kritisierte erst kürzlich die deutlichen Preisübertreibungen in den Großstädten, wo die Preise teilweise bis zu 30 Prozent höher seien, als das soziodemografisch und ökonomisch gerechtfertigt wäre.

Im Jahr 2019 sind die Mieten und Immobilienpreise weiter nach oben geklettert, wenngleich auch teilweise etwas langsamer als in den Jahren zuvor: Die Preise für Wohneigentum stiegen 6,75 Prozent nach oben, während es im Vorjahr noch ein Anstieg von 7,75 Prozent war. In den Städten stiegen auch die Mieten nicht mehr so  stark.

Immobilienexperten warnen zwar immer wieder vor einer Überhitzung, allerdings ist derzeit keine gefährliche Kreditschwemme absehbar. Ökonom Mitropoulos geht 2020 wegen der Jobverluste in der Autoindustrie und der Folgen des Coronavirus von einem wirtschaftlich schwachen ersten Halbjahr aus. Die niedrigen Zinsen bleiben jedoch erst einmal bestehen.

Zusammenfassung

Auch im Jahr 2019 ist die  Zahl der Zwangsversteigerungen in Deutschland gesunken. Experten gehen davon aus, dass sich die Lage im aktuellen Jahr ändern könnte, sodass wieder mehr Immobilien unter den Hammer kommen.




Fotoquelle: www.shutterstock.com/de durch WR.lili
Beitrag teilen: